Barcamp als Katalysator für die digitale Vernetzung
Manchmal gibt es Diskussionen und Lebenssituationen, die erzeugen einen Heureka-Moment und man weiß, wo man steht und in welche Richtung es weiter gehen soll. So war es beim fünften Netzökonomie-Campus mit Käsekuchen in Köln, den Mister Unternehmer-Plattform Winfried Felser perfekt organisiert hat. Auch seine Backkünste konnten überzeugen.
In unserem offenen Format, an dem jeder Interessierte teilnehmen kann – real und virtuell über eine Liveschalte via Hangout on Air – steht die Disputation im Vordergrund. Absprachen, Kontrolle der Gespräche, Sprachregelungen oder sonstige aseptische Vorkehrungen kommen für uns nicht in Frage. Da gibt es ausreichend Plastik-Formate, die besonders in Wirtschaftskreisen dominieren:
Wir leben die Barcamp-Kultur und setzen auf Überraschungen. Das Schwerpunktthema kann der jeweilige Gastgeber auswählen und in einem Eingangsstatement vorstellen. Einzige Bedingung: Er muss den Käsekuchen in Eigenregie backen.
Beim Netzökonomie-Campus unter dem Motto „Doppelter Hochmut kommt vor dem doppelten Fall: Dialogunfähigkeit zwischen Netzszene und Wirtschaft“ gab es schon in den ersten Minuten eine Klärung der Fronten, die mich streitlustig machte.
Barcamps seien esoterischer Quatsch, Netzgemeinde oder Netzaktivisten klingen irgendwie nach Sekte. Alles dummes Zeug. Es gehe darum, die alte Wirtschaft von der Digitalisierung zu überzeugen und Brücken zu bauen. Nur frage ich mich, wo jener Protagonist des digitalen Wandels steht, der etwas flapsig auf die Netzbewegung runterschaut? Barcamps jemals besucht? Fehlanzeige. re:publica in den vergangenen Jahren in Berlin erlebt: Fehlanzeige. Die eigenen Positionen mal in offenen Formaten ohne Headset, ohne Powerpoint-Orgien und ohne Berieselungsrhetorik ausprobiert? Wohl eher nicht.
Wie kann jemand jenseits von Facebook-Monitoring-Schwafeleien Brücken in die alte Wirtschaftswelt bauen, der die Netzszene als irrelevant und kindisch wertet? Was den Unternehmern häufig vorgeführt wird, ist nichts anderes als digitales Tschakka-Gebrüll in alter Establishment-Denkweise.
Der blinde Fleck in der Digitalisierung ist also auch dort zu verorten, wo inflationär Online-Marketing-Blabla abgesondert wird. Die neue Logik des Netzes muss anders vermittelt werden – da gibt es in der Tat eine Schwäche in der Netzszene. Im Zusammenhang mit der digitalen Transformation fällt immer öfter der Begriff „Plattform“. Häufig wird dabei an Google, Apple oder Uber gedacht. Plattform-Theoretiker wie der US-Ökonom Van Alstyne gehen weit darüber hinaus.
„Ich definiere eine Plattform als einen veröffentlichten Standard, mit dem sich andere verbinden können, zusammen mit einem Governance-Modell, also den Regeln, wer wie viel bekommt.“
Praktiker wie Zhang Ruimin erkennen ein völlig neues Management-Konzept:
„In Zukunft gibt es nur noch Plattform-Inhaber, Unternehmer und Mikrounternehmer. Unsere fünf Forschungszentren weltweit funktionieren heute schon wie Plattformen, auf denen Unternehmer zusammenarbeiten. Die Firma der Zukunft hat keine Angestellten mehr“, erklärt der Haier-Chef gegenüber der „Wirtschaftswoche“.
Eine solche Plattform-Sichtweise hinterfragt nach Ansicht des Netzwerk-Spezialisten Winfried Felser alle Unternehmen.
„Es geht nicht mehr nur um die eigenen Ressourcen und Kompetenzen, sondern immer mehr auch um den Zugang zu Netzwerken. Hier gilt es die Qualität der eigenen ,Plattform-‘ und ,Netzwerk-Kompetenzen‘ ebenso zu gestalten wie man bisher die Kernkompetenzen gemanagt hat.“
Innen und außen seien Begriffe der alten Ökonomie. Der Nutzer werde zum Produzenten und die Schnittstelle geht von der reinen Transaktion in Richtung Co-Produktivität.
NetzökonomieCamp als Plattform für die Plattform-Ökonomie
Der Wandel betrifft dabei alle bisherigen Wertschöpfungsstrukturen. Auch Veranstaltungen werden neu definiert. So wird bei Barcamps bereits unter Beweis gestellt, wie aus passiven „Konferenzkunden“ kreative „Mitproduzenten“ werden können, die Themen selbst bestimmen und sich interaktiv organisieren.
„Kunden sind aber auch nicht nur Mit-Gestalter, sondern auch Mit-Akquisiteure, wenn sie beispielsweise Empfehlungen zum Unternehmen aussprechen oder sogar die Empfehlungs-Akquise immer mehr aus dem Netzwerk der eigenen Promotoren erfolgt“, resümiert Felser, Mitorganisator des NetzökonomieCamps, das am 21. und 22. November in Köln stattfindet.
Das erste netzökonomische Barcamp (!) ist deshalb der richtige Ort, den Vertretern der klassischen Wirtschaft einen neuen Geist einzuhauchen mit einem offenen, vernetzten, nachhaltigen und anschlussfähigen Kommunikationskonzept. Ein Treffen von Graswurzel-Aktivisten des Netzes und Unternehmern, die begreifen, nicht nur über die Digitalisierung zu reden, sondern sie zu leben.
Sind nun Barcamps esoterischer Schnickschnack? Weit gefehlt. Offenheit, Vernetzung, Überraschungen, Anschlussfähigkeit, Impulse für die Kombinatorik von Ideen sowie Wissen und Anreize für das Entstehen von neuen Eco-Systemen sind die Essenz für die vernetzte Ökonomie. Da hat Markus Jakobs am Schluss der Käsekuchen-Runde bei Winfried Felser sehr gut zum Ausdruck gebracht. Nach der gestrigen Kontroverse ist meine Motivation deutlich gestiegen, das NetzökonomieCamp zum Erfolg zu führen.
Wenn junge Menschen ihre Karriere planen, dominieren klassische Erwartungen. Rund 40 Prozent wollen in den öffentlichen Dienst, 15 Prozent streben einen Job in einer staatsnahen Einrichtung an und 20 Prozent träumen von einer Konzernlaufbahn. Dahinter steckt das Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität. Eine trügerische Hoffnung. Selbst in öffentlich-rechtlichen Institutionen müssen sich Mitarbeiter mit Zeitverträgen und einer wenig planbaren Zukunft herumschlagen zu höchst bescheidenen Konditionen. Man erwartet Überstunden und volle Leistung. Geizig sind öffentliche Auftraggeber beim Versprechen einer Festanstellung.
Konzernträume und bürokratischer Alltag
Wenig Erbauliches erleben die Nachwuchskräfte im bürokratischen Organisationsmoloch von großen Unternehmen: „
Die Abstimmungs- und Koordinationsprozesse in Konzernen fressen unglaublich viel Zeit und kosten Nerven, die langwierigen Konsensrituale führen meist zu durchschnittlichen Ergebnissen. Ich blieb jeweils nur so lange in einer Organisation Konzern, wie ich dort unternehmerisch handeln konnte“, bemerkt „Mister Personalmanagement“ Thomas Sattelberger im Interview mit „Der Bund“.
Abgesehen von den immer gleichen Büro-Büro-Mahlzeit-Ritualen sind auch die…
“Am 22. Januar 1929, einem Dienstag, kommt er zum ersten Mal in ein Tonfilmstudio, das seinerseits zu den allerersten in Deutschland zählt. Am Vorabend hatte er in der Preußischen Akademie der Künste bei der Feier zum zweihundertsten Geburtstag des Erzaufklärers Gotthold Ephraim Lessing die Festrede gehalten. Nun sitzt er im dunklen Anzug mit Weste, im weißen Hemd, mit einfarbiger Krawatte und einem blütenweißen Einstecktuch im Revers auf einem Stuhl, dessen hintere Holme über seiner Schulter wie zwei kleine Türme aufragen. Die Kamera läuft bereits. Mit einem unsichtbaren Gegenüber spricht der Studiogast noch einige nicht zu verstehende Worte, dann wird zum bewegten Bild…
Sehr geehrte Frau Mohn,
sehr geehrter Herr Albrecht, sehr geehrter Herr Professor Dueck,
liebe Frau Riess, lieber Ole, lieber Stefan,
lieber Herr Sattelberger, lieber Herr Bonn, lieber Herr Reichardt,
lieber Gunnar, liebe Anja, liebe Elen, liebe Julia, lieber Jan, lieber Christian,
lieber Stephan, lieber Michael, lieber Jürgen, lieber Frank, lieber Bernhard,
lieber Jörg, lieber Florian,
angesichts der Hochkarätigkeit und Breite des Adressatenkreises habe ich das Wichtigste dieses Beitrags (die Meta-Lehre zur Transformation 4.0 aus Berlin) nachfolgend in kursiver Schrift verdichtet, um ohne großen Zeitbedarf die Kern-Botschaft auszutauschen. Der nicht kursive Rest besteht dann ergänzend nur noch aus Kommentaren und Fußnoten für echte Liebhaber 😉
Vorweg: Berlin war großartig
Das Allerwichtigste vorweg: Berlin war großartig! Wer Ihren eröffnenden Vortrag, Herr Professor Dueck, oder das Abschlusspanel oder auch unsere Session zur digitalen APO in der Sohnschen Flaschenpost an die Zukunft anschaut, ahnt, wie energiegeladen, inspiriert und inspirierend dieser Tag war. Ein ganz herzliches Dankeschön an Sie Frau Mohn und Frau Riess, die Bertelsmann Stiftung und an das engagierte Team des Barcamps für diese Chance 4.0!
Auch für mich persönlich waren meine Sessions ein großer Gewinn:
Abb 0: Sessions „meines“ Barcamps Arbeiten 4.0
Ellen, in Deiner Session (Menschen, Orte, Technologien – Microsoft’s Trilogie zu …) haben wir nicht nur die 3 Gestaltungsebenen Mensch, Unternehmen, Gesellschaft „offen-strukturiert“ reflektiert (tolle Moderation!), ich habe für mich auch „3.0“ als essentielle Wertorientierung wiederentdeckt (Kotler!). Keine Kollaboration ohne integratives Sinn- und Wertversprechen! Wie passend übrigens, dass mit Frank Naujoks wenige Tage vorher „Out of Office“ geschenkt hat und der Ex-Microsoft-Chef nun Sattelberger-Nachfolger ist!
Abb 1: Drei Betrachtungs- und Gestaltungsebenen im Kontext Arbeiten 4.0
Stefan, Eure Session zu Barcamps in Unternehmen hat mit klar gemacht, wie selbst in Konzernen wie der Telekom kleine Formate große Wirkung haben und kulturwandelnd sein können, weil Herr Clemens beim Bier einfach der Reinhard wird. Das Top-Down-Wertversprechen wird ergänzt von der Bottom-Up-Erfahrung der gemeinsamen Wertschaffung. So schließt sich idealerweise der gemeinsame Wert-Kreis in partnerschaftlichen Netzwerk-Organisationen.
Abb 2: Barcamps im Unternehmen (u.a. als Kulturveränderer, s. Folie 13)
Katharina, Erik: Euer Vortrag machte ergänzend klar, dass „4.0“ aber mehr ist als nur „Soft Facts“ und neue Werte oder neue Führung. Arbeiten 4.0 bedeutet auch neue Technologien zu nutzen, um die Wertschöpfung neu zu definieren, z.B. durch Social Media Monitoring als Vertriebstool. Hier sollte in Zukunft die Arbeiten40-Community auch Themen wie neues Workforce-Management und neue Arbeitszeitmodelle (#Arbeitszeit40) für sich entdecken.
Ole, Stefan, die Schlussdiskussionen zur Zukunft waren zukunftsweisend, nicht nur für die Zukunft des Barcamps „Arbeiten 4.0“, sondern für die Zukunft der Transformation 4.0. Sie waren mit Basis meiner Meta-Lehre aus Berlin.
Wie wertvoll (Competence-) Networking auch außerhalb der Struktur ist, zeigten mit dann vor allem unsere Gespräche, Christian mit Dir auf der Dachterasse, und mit Euch, Jan und Julia, im Bordrestaurant der Bahn. Jetzt habe ich beschlossen, eigene „neue“ Führung als Notwendigkeit anzunehmen, Christian, und Jan, der Mittelstand mit neuer Veränderungsbereitschaft und dem „anders machen“ ist noch mehr mein Hoffnungsträger.
DIE Meta-Lehre zur Transformation 4.0 aus Berlin
Zugleich habe ich eine wichtige „Meta-Lehre“ aus Berlin mitgenommen, die über den Augenblick hinaus auch prägend für das Netzökonomie-Camp, die digitale APO und hoffentlich auch eine Competence-Site 4.0 sein könnte:
Nach „Berlin“ und dem Barcamp „Arbeiten 4.0“ ist es mehr denn je mein Glaube: Die Transformation 4.0 von Gesellschaft, Branchen, Regionen und Unternehmen gelingt dann und nur dann wirklich optimal bzw. effizient, effektiv und vor allem nachhaltig, wenn wir selbst „4.0“ werden bzw. denken und handeln und auch die heutigen Strukturen, Prozesse und Plattformen für die Transformation in Richtung 4.0 ausgerichten. Alles andere wäre auch inkonsequent („Eat your own dogfood!“).
Wie können wir denn überhaupt überzeugend die Ökonomie 4.0
und die dafür notwendige Transformation „propagieren“,
wenn wir selbst die Prinzipien 4.0 nicht repräsentieren und co-produktiv nutzen!
Wenn z.B. wesentlichen Köpfe der Transformation 4.0 keinen eigenen Twitter-Account besitzen oder die Plattform Industrie 4.0 immer noch eine statische Webseite ist, dann belastet ein solcher innerer Widerspruch zwischen Botschaft und Handel (Wein, Wasser, …) die Glaubwürdigkeit der eigenen Bemühungen.
Nun aber weiter zum Rest, den Kommentaren und Fußnoten ;-).
Einfache Gründe, warum wir 4.0 für 4.0 nutzen sollten
Nicht nur wegen des Einklangs von Botschaft und Handeln, sondern aus einfachen Gründen der Erfolgswahrscheinlichkeit macht ein Wandel der Transformationsgrundlagen in Richtung 4.0 Sinn. Weder die bisher etablierten „Strukturen“ wie ein Weltwirtschaftsforum in Davos oder jährliche Strategietreffen in den Unternehmen noch innovativere „Unstrukturen“ wie die re:publica oder Barcamps haben sich anscheinend als optimale Heilsbringer für die gewünschte Transformation Deutschlands in Richtung „digital“ bzw. „4.0“ bewährt (trotz z.B. mahnender Worte der Kanzlerin aus Davos).
Abb 3: Deutschland als digitales Schlusslicht?!
Egal welche Studien man zitieren möchte: In den seltesten Fällen werden Deutschland und deutsche Unternehmen als Vorbilder für die gelungene digitale Transformation bzw. Transformation 4.0 gelobt. Führende Köpfe wie Telekom-Chef Thimotheus Höttges sehen uns bei der Digitalisierung z.B. schon als die Verlierer der ersten Halbzeit (s. hier). Meine Überzeugung und die Überzeugung vieler anderer: Nicht in den Hinterzimmern der Geschäftszentralen in den Metropolen, aber auch nicht auf den vielen Spielwiesen („Sandkasten“, Ole Wintermann) in der Fläche, gewinnen wir bisher bereits erfolgreich die Schlacht um die Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft 4.0 mit ausreichender Wirkungsstärke und Geschwindigkeit.
Abb 4: Paradigmatische Optimierungen von 1.0 bis 4.0
Was können wir alternativ tun?
Wir müssen – wie von Jan gefordert – die Bereitschaft entwickeln, auch das Existierende „paradigmatisch“ „anders“ zu denken und zu gestalten. Nicht nur Jan sieht das so. Einstein wird gerne das Zitat zugeordnet, dass derjenige verrückt sei, der stets das Gleiche tue, aber ein anderes Ergebnis erwarte. Das gilt auch im digitalen Zeitalter. So reicht es nicht, eine Plattform Industrie 4.0 anderen Ministerien zuzuweisen, wenn sich ansonsten nichts ändert und weiterhin auf „klassische“ Lösungsansätze gesetzt wird.
Die Bereitschaft zur Andersartigkeit ist dann die Basis um die bisher noch weitgehend ungenutzte Chance 4.0 auch für die Transformation 4.0 zu nutzen. In „4.0“ ruht eine enorme latente bzw. noch ungenutzte Kraft (Kompetenz!) von Offenheit und Vernetzung („1.0“, „X.5“), neuer Anschlussbereitschaft und gemeinsamer Interaktion („2.0“), gemeinsamer Smartness und Wertorientierung („3.0“) und vor allem von wirklich co-produktiver Kollaboration im Netzwerk („4.0“). Diese Latenz bzw. dieses unerschlossene Potenzial gilt es endlich wirklich zu heben, damit der Erfolg gelingt.
Wir müssen dafür bisherige Transformations-Strukturen und -Maßnahmen weitgehend öffnen, anschlussfähig machen (z.B durch Hangouts, …) und vernetzen (statt Ministerien, Arbeitskreise und selbst Barcamps faktisch als geschlossene „Silos“ abzuriegeln) und durch die dann mögliche Co-Produktion in einem kollaborativen Eco-System die gewünschte Schlagkraft bei der Transformation sichern.
„Grau, alter Freund, ist alle Theorie“, auch hier war Goethe weise, daher ein Beispiel: Im Worst Case fährt man heute als motivierter Transformator z.B. zu einem Event „Arbeiten 4.0“, hört mit anderen, unbekannten Zuhörern von einem „Experten“ eine Frontal-Präsentation und nimmt vielleicht die ein oder andere Information für sich und die eigene Praxis mit. Dafür hat man u.U. einen ganzen Tag und zusätzlich Veranstaltungskosten investiert, aber ohne wirkliches Andocken an die eigene Transformationsaufgabe. Was früher einmal ausreichte, ist im neuen Zeitalter ungeeignet und so wundert es nicht, dass man nach Alternativen suchte und weiterhin sucht. Barcamps & Co sind ein Anfang der Transformation, der Wandel wird aber alle Strukturen umfassen und fundamentaler sein. In meinem Beitrag zu Events 4.0 habe ich daher gefordert, dass auch Barcamps weiter zu denken (zu öffnen, zu vernetzen, …) sind und alle alten Strukturen zu Plattformen 4.0 werden.
Wir müssen last, but not least dafür auch alte Antagonismen überwinden und die neue Diversität als „wert-voll“ feiern: Hier „Struktur/ Plan“, da „Agilität“, hier „Establishment“, da „Revolutionäre“ hier „Top-Down“, da „Bottom Up“, hier „Old School / Analoge“, da „New School / Digitale“. Die Netzwerke und Networkings 4.0 werden nur optimal gelingen, wenn wir die jeweiligen Stärke verbinden und z.B. (partielle) Voraussicht und Koordination mit der Stärke von Opportunität und Reagibilität kontextadäquat kombinieren.
Abb 5: Die Berliner Repräsentanz als Plattform für die digitale APO?!
Berlin und das Barcamp Arbeiten 4.0 als Vorbild
Berlin selbst war hier in weiten Teilen vorbildlich.
Dass das Barcamp zum Thema Arbeiten 4.0 in der würdigen Repräsentanz von Bertelsmann stattfand, wurde von Teilnehmern bereits als ein Anfang eines Zusammenwirkens von „Establishment“ und „Revolutionären“ empfunden. Einige Teilnehmer betonten sogar explizit, dass sie das erste Mal in der Berliner Repräsentanz von Bertelsmann (als Hochburg des „Establishments“) gewesen seien!
Zudem zeigte sich in Berlin, dass die oben genannten 4.0-Prinzipien wie Offenheit, Vernetzung, Interaktivität / Kundenindividualisierung, Ergebnisorientierung und echte Kollaboration (Co-Edit) bereits gelebt werden. Hier überzeugte u.a.,
dass das Barcamp durch ein vorgeschaltetes Session-Management (Vorschlag von möglicher Sessions, Abstimmung möglicher Teilnehmer) und einen begleitenden Blog in den Wochen zuvor perfekt vorbereitet wurde. So wurde aus einem Event ein kontinuierlicher Prozess!
Abb 6: Barcamp „Arbeiten 4.0“ im Netzwerk kollaborativer Maßnahmen
dass nun gemeinsam bzw. kollaborativ ein Papier zu „Arbeiten 4.0“ in nachgelagerten Arbeiten erarbeitet wird. Die Forderungen der Teilnehmer gingen sogar darüber hinaus. Sie wünschten sich eine nachhaltige Transformations-Community zu „Arbeiten 4.0“.
dass schließlich eine Vernetzung mit anderen Veranstaltungen und Netzwerken angestrebt wird. Arbeiten 4.0 ist eine Mission der Bertelsmann Stiftung, zugleich arbeiten viele andere Player an diesem Thema. Die Zukunftsinitiative Personal (SAP, Kienbaum, Begis, VEDA, …), deren Sprecher ich bin, beschäftigt sich mit dem Thema aus der Sicht der Personaler, im VDMA beschäftigt sich eine Gruppe von Mitgliedern um den Vorstandsvorsitzenden des Softwarefachverbands mit Industrie 4.0 Human! Hier bieten sich enorme Synergie-Chancen, wenn wir alle mitnehmen wollen.
Abb 7: Gemeinsames Nachdenken über Zukunft (Quelle Barcamp Arbeiten 4.0)
Es hängt aber von uns ab, ob dieser Anfang und andere Anfänge zum wirklichen Erfolg für (Arbeiten) 4.0 im Sinne eines breiten Bewusstseins- und Strukturwandel werden oder „nur“ implodieren im Sinne z.B. eines weiteren Arbeitspapiers ohne Breiteneffekt (was als Baustein wichtig ist, aber nicht Gesamtergebnis sein kann).
Eine Master-Architektur für die Transformation 4.0
In Abb. 4 ist daher als Vorschlag „das große Bild“ (neudeutsch Big Picture) der Architektur für die Transformation 4.0 gemalt, das noch größer und vielleicht sogar verständlich wird, wenn man darauf klickt. Dabei wird die Gesellschaft 4.0 dual organisiert und technologisch unterstützt durch:
offene, vernetzte, … und koproduktive „Networks 4.0“ als Basis für die Nachhaltigkeit der Gesellschaft 4.0. Sie bringen langfristig alle relevanten Akteure in Kompetenz-Netzwerken zusammen.
offene, vernetzte … und ko-produktive „Networkings 4.0“ als Basis für die Agilität der Gesellschaft 4.0. Sie organisieren aufgabenorientiert Teams
öffnende, vernetzende, … und Kollaboration ermöglichende Plattformen für die 4.0. Sie sind der technologische Träger für Networks und Networkings 4.0.
Die gewünschte „Community“ zum Barcamp 4.0 findet sich dort ebenso (als Network 4.0) wie die Vernetzung mit den anderen Veranstaltungen und Aktivititäten im Umfeld 4.0 (als Networkings 4.0). In diesem Zielszenario öffnen und vernetzen sich alle relevanten Basis-Organisationen und arbeiten auf der Basis der Plattformen 4.0 und der virtualisierten Strukturen synergetisch an den notwendigen Transformations-Maßnahmen.
Abb 8: Masterarchitektur mit Networks, Networkings und Plattformen 4.0
Konsequenzen und Masterpläne 4.0 für das Camp, die ZiP, die digitale APO
Diese Architektur der Ökonomie 4.0 bzw. der Competence-Networking-Ökonomie im Detail zu beleuchten, würde hier zu weit führen, ist aber (am Rande) wieder Inhalt des nächsten Events 4.0 zum Netzökonomie-Camp am kommenden Sonntag, den 7. Juni, wo wir über die Dialogunfähigkeit zwischen Netzgemeinde und Wirtschaft sprechen werden, und diese Dialogunfähigkeit im Dialog mit Ihnen, Herr Reichardt, aufheben wollen 😉 Sie haben als IHK Hauptgeschäftsführer in Köln schon viel in diesem Sinne bewegt, nicht nur im Rahmen von Digital Cologne. Auch unsere potenzielle Kooperation mit Ihnen, Digital Cologne und der IHK zeigt den „paradigmatischen“ Wandel Ihres Tuns.
Video 2: Session zur „digitalen APO“ beim Barcamp „Arbeiten 4.0“
Wir wollen auch darüber sprechen, welche Konsequenzen das „Paradigma 4.0“ für unsere Aktivitäten im Rahmen des Netzökonomie-Camps hat, bei dem wir ganz konkret den Dialog realisieren wollen. Was lernen wir gemeinsam aus Berlin und wie sichern wir den Transformationserfolg „unserer“ „Maßnahme“ bzw. „unseres“ „Camps“ durch ein konsequentes „Denken und Handeln 4.0“?
Das Netzökonomie-Camp muss – das ist meine Überzeugung – wie das Barcamp „Arbeiten 4.0“ mehr als nur ein JAB („Just Another Barcamp“) sein. Es muss ein Event 4.0 sein, das über seine lokale und zeitliche Begrenzung hinaus gedacht, gestaltet und wirksam wird. Entgrenzt und vernetzt wird das Netzökonomie-Camp zum Netzwerk von Maßnahmen, das potenziell überall und jederzeit sein kann, u.a. in diesem Blog (mit 13 ersten Followern, Dein Follow hier) und dieser Facebook-Seite (mit 160 ersten Followern, Dein Follow hier), aber auch in jedem anderen kollaborativen Kontext.
Erweiterte Strukturen 4.0 als potenziell kollaborative Hülle aber reichen nicht aus. Wir müssen uns zugleich im Rahmen eines offenen und kollaborativen (aber dennoch koordinierten ;-)) „Masterplans 4.0“ eine Menge Fragen stellen:
Welche Networkings 4.0 vor, während und nach dem Event haben in der Gesamtwirkung die höchsten Impacts? Welche Blogbeiträge und -autoren machen im Rahmen unserer vorlaufenden Blogparade Sinn, welche gemeinsamen Hangouts planen wir, welche Veröffentlichungen bei der Huffington Post, TheEuropean, im IHK Magazin, welche „Hosted Events“ real oder virtuell wollen wir bei Partnern unterstützen, wie gelingt dann die Themenfindung zum Event, was ist das Ergebnis des Events, wie unterstütizen wir die Transformation im Kontext der Teilnehmer nach dem Event, …
Welche Networks 4.0 sind dafür relevante „Kollaborateure“ für unsere Transformations-Community? Wie vernetzen wir uns (Herr Reichardt) insbesondere mit dem Mittelstand? Welche Rolle sollten IHKs und Verbände (VDMA,. …) generell spielen? Wen laden wir aktiv ein, um davor, währenddessen und danach mit dabei und vor allem im Janschen Sinne wirklich ko-produktiv mitzuwirken? Welche Organisationen repärsentieren ideal die Transformations-Anstrengungen und könnten Leuchtturm sein (Telekom, Microsoft, Bertelsmann, Haufe umantis, …), …
Welche Plattformen 4.0 nutzen wir synergetisch? Competence Site, Facebook, WordPress, XING, Weltwirtschaftsforum, Goldene Jungs (Kölner Lokal-Netzwerk, nicht ernst gemeinter Vorschlag), …
Man sieht: Am Sonntag sollte es nicht langweilig werden. Bitte gut vorbereitet (s. Frageblöcke 1-3) und im Casual-Look erscheinen 😉 (auch als „Zuschauer“, bzw. lieber noch als Kollaborateur „vor den mobilen und stationären Bildschirmen“ wie Gunnar zu sagen pflegt).
Diese Fragen stellen sich aber so nicht nur beim Netzökonomie-Camp. Eine solche Ausrichtung in Richtung 4.0 halte ich nun mehr denn je auch für unsere Zukunftsinitiative Personal (SAP, Kienbaum, Begis, Veda, Atoss, …) für sinnvoll. Im Rahmen meines letzten Competence Reports hatte ich sie schon gefordert. Auch wir als ZiP müssen uns die oben genannten Fragen stellen, um einen optimierten Dialog zum „Personalmanagement 4.0“ zu realisieren, z.B. im Rahmen einer kreativ erweiterten Kooperation mit der Messe und dem BPM.
Abb 9: Die ZiP auf dem Weg zum Dialog mit der Branche
Last, but not least stellen sich diese Fragen auch im Rahmen Ihrer „digitalen APO“ bzw. Ihrer cross-sektoralen Allianz (ZAAG), lieber Herr Sattelberger.
Die außerparlamentarische Opposition sollte eine außerparlamentarische Organisation sein, die sich eben nicht über die Opposition definiert, sondern den Wandel als Anstruktur mit unterstützt, damit er bottom-up und top-down und cross-sektoral gelingt und die bisherigen geschlossenen Pforten der Deutschland AG wie aber auch der Netzgemeinde (in Richtung Mittelstand) überwunden werden. Und diese außerparlamentarische Organisation sollte eben nicht auf frustrierte Soziologie-Studenten und Straßenkämpfer, sondern auf engagierte Köpfe aus dem Mittelstand, auf Start-Ups und allen anderen gutwilligen “Digitalen” und “Analogen” setzen. Lieber Thomas Sattelberger, meine Hoffnung ist, dass Ihre APO und Ihre Allianz unserer aller APO und unserer aller Allianz werden können und auch so den Anforderungen der „Berliner Lehre“ genügen, indem sie konsequent auf “digital” und “4.0” setzen.
Abb 8: Sie halten nicht die Klappe, Herr Sattelberger, und das ist gut so!
PS: Selbstkritisches zur Competence Site als Plattform 4.0
Vor 15 Jahren sollte die Competence Site aus der Fraunhofer-Gesellschaft heraus als Plattform 4.0 und als Tochter eines Medienkonzerns bzw. dann eines Telekommunikationskonzerns realisiert werden. Statt einer Competence Site 4.0 realisierten wir nur aber eine Competence 0.5. Fraunhofer-Mitarbeiter scheiterten also nicht nur prominent bei MP-3, sondern auch unbemerkt auf anderen Zukunftsprojekten ;-). Wir arbeiten aber trotz allem daran, dass wir das in the longt run ändern. Die Zeit war nie reifer als jetzt, Jörg und Florian.
PPS: Nicht nur bierernst, mehr Socke und Schuh wagen!
Bei so ernsten Themen darf eins nicht vergessen: Berlin war auch ein Vergnügen jenseits „4.0“ in der ganz normalen realen Welt. Liebe Frau Mohn, Sie haben Recht/recht: Nichts kann den persönlichen Kontakt ersetzen. Stephan und Julia, durch Euch weiß ich jetzt z.B.nach 30 Jahren mit schwarzen Schuhen und schwarzen Socken, dass man mehr Socke und Schuh wagen kann.
Welchen Wandel die Netzeffekte des Social Webs politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich bewirken, hat der Internet-Visionär Howard Rheingold bereits 2002 in seinem Artikel „Smart Mobs – Die Macht der mobilen Vielen“ vorweggenommen: Die Konvergenz der Technologien bewirke neue Formen der Kommunikation. Ortungsfähige drahtlose Organizer, Drahtlos-Netzwerke und zu Computerverbünden zusammengeschlossene Kollektive hätten eines gemeinsam: Sie würden Menschen befähigen, auf neue Arten und in unterschiedlichen Situationen gemeinsam zu agieren. Hat das noch etwas mit den Netzwerken der alten Schule zu tun? Natürlich nicht. Das wird deutlich, wenn man sich mit den Prominenten-Interviews auseinandersetzt, die der Berater Alexander Wolf für sein Buch „Geheimnisse des Netzwerkens“ geführt hat.
Alle jene Diskussionen, die über Transparenz geführt werden, seien eine Illusion.
„So wird es nie sein. Wer in der Politik tätig ist, hat ein Unterstützer-Netzwerk von Leuten, die einem in schwierigen Situationen helfen und denen man auch ab und zu helfen muss. Das läuft immer diskret und kann nicht offengelegt werden“, so Wolf.
Der Journalist Dieter Kronzucker habe es sehr schön ausgedrückt: Social Networks werden alle so schnell wieder vergehen, wie sie gekommen sind.
„Damit meint er nicht, dass es Facebook nicht mehr geben wird, aber er meint die Wichtigkeit, die wir Facebook momentan geben, wird abnehmen. Xing, LinkedIn oder Facebook sind nichts anderes als Online-Adressverzeichnisse und Online-Fotodatenbanken, wo man anderen die Möglichkeit gibt, Dinge schnell zu erfahren. Es sind keine belastbaren Netzwerke. Sie können keine Freundschaften und belastbaren Beziehungen über Xing aufbauen, weil sie kein Vertrauen im Internet aufbauen können. Wir wissen ja noch nicht mal, ob der Facebook-Freund überhaupt existiert“, erläutert Buchautor Wolf.
Letztlich geht es den Netzwerkern des Establishments um gegenseitige Abhängigkeiten. Es sind Seilschaften, Kartelle, Klüngel und Cliquen, die ihre Macht nur hinter verschlossenen Türen entfalten können. Man kann es jedes Jahr in den Schweizer Alpen bewundern. Als aktiver Ruheständler hat sich Mister Personalmanagement Thomas Sattelberger der Aufgabe verschrieben, die geschlossenen Systeme der Deutschland AG aufzubrechen und zu transformieren. Der politische und zivilgesellschaftliche Druck auf Unternehmen müsse zunehmen. Die Digitalisierung wirkt dabei wie ein Transmissionsriemen. Die Internetökonomie mit Netzcommunitys durchpflügt tradierte Geschäfte, Machtstrukturen und Prozesse. Es wird immer schwieriger, als verschworene Gemeinschaft zu agieren, sich von der Außenwelt wie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos abzuschotten und zu glauben, mit Versteckspielchen über die Runden zu kommen. Die Vielfalt einer Organisation muss noch vielfältiger sein als die Umwelt, in der sie agiert. Wer auf den Wandel mit bolschewistischer Starrheit reagiert wie Funktionäre des BDA, Dialoge auf eine Propagandamaschinerie reduziert, wer die Führungskultur weiter auf Stromlinienförmigkeit trimmt, Vielfalt nicht erträgt, sondern ausschwitzt, wird als Unternehmen keine gute Zukunft erleben.
Zentralistische Führung und Organisationskonzepte aus dem Industriezeitalter haben nach Einschätzung von Sattelberger ausgedient, weil die Souveränitätspotenziale des einzelnen Mitarbeiters größer werden.
„Schließlich gibt es ja auch keinen Zentralrechner mehr, sondern die Cloud. In dieser evolutionären Entwicklung, die durchaus größere Sprünge macht, kann nicht mehr zwischen Produktions- und Wissensarbeiter unterschieden werden. Die bisher noch getrennte Hand- und Kopfarbeit rücken zusammen – und deshalb müssen die Führungs- und Arbeitsstrukturen andere werden. Experten nennen das die Demokratisierung der Produktion.“
Die Personalabteilungen müssten in dieser Gemengelage Treiber sein, hinken aber noch hinterher.
„Sie wissen zu wenig über die technologischen und sozialen Kräfte der Digitalisierung in der Arbeitswelt. Viele sind noch in der Logik industrieller Massenfertigung verfangen, normieren und standardisieren Prozesse. Momentan stabilisieren Personaler damit eher die Verhältnisse, statt die kreativen Potenziale selbststeuernder ,Smart Factories‘ für den Menschen zu entdecken.“
Machtstrukturen in Großorganisationen würden die Kreativität töten. Ob flexible Arbeitszeiten, demokratisierte Prozessteuerung oder das zeitlich befristete Mandat, ein Team zu führen – mit den alten Konzepten des Personalmanagements sei eine zukunftsorientierte Entwicklung nicht möglich.
Schnelldusch-Manager dominieren in der Arbeitswelt
Wir brauchen mehr Vielfalt in der Arbeitswelt. Aber wie soll das in der Rekrutierung gelingen, wenn der Führungsnachwuchs überwiegend schnelle Karrieren in Konzernen anstrebt und sich vorher noch der Gehirnwäsche in Unternehmensberatungen unterzieht:
„Das Klonen in deutschen Chefetagen ist extrem ausgeprägt. Viele Topmanager sind deutsche, weiße, männliche, ähnlich ausgebildete Konzerngewächse, meist mit einem ansehnlichen ‚McKinsey & Co‘-Hintergrund, die dann eine lineare, gleichförmig verlaufende Schnelldusche als Manager in Hauptverwaltungen absolviert haben. Die Topmanager heute sind zwar akademischer als früher, aber damit nicht unbedingt gebildeter. Statt vieler Patriarchen haben wir jetzt mehr Technokraten in den Konzernen.“
Wer neu in einem Unternehmen tätig ist, verschwendet einen Großteil seiner Energie in ausgefeilten Bürostrukturen, taktischen Abwehrmanövern gegen Kollegen sowie Schauläufen vor Abteilungsleitern und Vorständen. So fassen 30 Gründer von Dark Horse Innovation ihre ersten Job-Erlebnisse in Konzernen, Mittelständlern in dem Opus „Thank God It’s Monday“ zusammen:
„Während unser Enthusiasmus und unsere Einfälle auf der Strecke blieben, stolzierte der Status quo, hochdekoriert mit immer neuen Buzzwords, die man zu verstehen und zu erfüllen hatte, vor den staunenden Rängen auf und ab.“
Hipster-Brause erzeugt nicht Hipster-Unternehmen
Statt in bürokratischen Organisationen sang- und klanglos zu verglühen, änderten sie nicht ihre Erwartungen, sondern ihre Arbeit. Sie gründeten eine Firma, in der sie kooperativ und kreativ arbeiten können. Selbst wenn Konzerne, Mittelständler und Verwaltungen im modischen Duktus von Diversity oder Work-Life-Balance faseln und eine politisch korrekte Prozentzahl von Frauen in Entscheider-Gremien einführen (selbst das gelingt nur selten), ändert sich mit diesen Mimikry-Programmen wenig. Es werden Symptome bekämpft, während hinter verschlossenen Türen die alten Seilschaften und Machtmechanismen weiterwirken.
„Das stahlharte Gehäuse bekommt lediglich einen neuen Anstrich. Der Frust wird im Zweifel größer, weil sich Missstände mit schönen Namen schwerer kritisieren lassen. Die Länge des eigenen Urlaubs selber zu bestimmen, wie bei einigen großen Unternehmen ab einer gewissen Managementebene üblich, führt häufig dazu, dass gar kein Urlaub mehr gemacht wird, weil die alten informellen Karriereregeln immer noch gelten“, schreiben die Dark-Horse-Autoren.
Tischkicker, Kuschelecken, Hipster-Brause und Social-Media-Duzerei-Anbiederungen ändern nicht wirklich die Arbeitswelt. Organisationen sollten sich einer kompletten Sanierung unterziehen. „Personalabteilungen machen sich Gedanken darüber, wie sich neue Mitarbeiter ins Unternehmen ‚integrieren‘ lassen, anstatt sich zu fragen, wie sich das Unternehmen an die neuen Mitarbeiter anpassen kann.“
Junge Mitarbeiter bekommen immer schönere Titel, gestylte Büros, Fitnessräume, Ruhezonen und Obstkörbe – in den Köpfen der Führungskräfte bleibt alles beim Alten.
Die Struktur und Logik des Social Webs erschwert die Arbeit der verknöcherten Eliten. Offene, freie und anarchische Systeme sind Gift für die Controlling-Freaks. Sattelberger ist gewillt, daran mitzuwirken, dass eine neue APO entsteht. Nur durch eine starke zivilgesellschaftliche Bewegung würden wir das hinbekommen. Allerdings anders organisiert als vor 50 Jahren.
„Diese neue, moderne, außerparlamentarische Opposition muss sowohl die digitalen wie die realen Räume nutzen, sie muss sich sowohl Denklabore durch streitbare öffentliche Debatten als auch Reallabore in Unternehmen, Hochschulen und anderen gesellschaftlichen Organisationen schaffen. Im Disput, in der Auseinandersetzung hoffentlich genauso rebellisch und innovativ, was die Verabschiedung alter Dogmen und Scheinsicherheiten anbetrifft. Ich halte jedenfalls nicht die Klappe“, proklamiert Sattelberger in seiner Autobiografie, die im Murmann-Verlag erschienen ist.
Wir halten unsere Klappe schon lange nicht mehr und wollen das Thema in einem Netzökonomie-Campus Spezial beim Barcamp Arbeiten 4.0 der Bertelsmann-Stiftung aufgreifen. Live und ungeschminkt am Mittwoch in einer Session, die wir ab 14 Uhr über Hangout on Air ins Netz übertragen. Hashtag für Twitter-Zwischenrufe #nöcbn
Manchmal ist es schon erschütternd, wie die eigenen Prognosen von der Realität überrollt werden. So schreibt der Tagespiegel, dass bei der vierten industriellen Revolution, die die Bundesregierung zum Vorzeigeprojekt für die vernetzte Ökonomie aufziehen wollte, nicht mal ein Revolutiönchen rausspringt. Das Projekt Industrie 4.0 werde zerrieben zwischen SPD-Minister Gabriel und CDU-Ministerin Wanka. „Die USA schaffen derweil Tatsachen und lassen Deutschland weit hinter sich“, schreibt der Tagesspiegel.
Die USA sind dabei, auch bei der vernetzten Industrie Trendsetter zu werden, warnt Franz Eduard Gruber, Gründer und Chef der Software-Firma Forcan, die sich auf die Steuerung von Maschinen spezialisiert hat. Die Amerikaner haben nach seinen Erfahrungen erkannt, dass die Standardisierung in der Kommunikation von Maschinen und Sensoren entscheiden ist.
„Wer den Standard definiert, der definiert, in welche Richtung der Weltmarkt künftig läuft“, so der ehemalige SAP-Manager auf einer Fachtagung des…
Dann wird vielleicht auch dem Mittelständler im schönen Westerwald, dem Kommunalpolitiker in Buxtehude und dem Wissenschaftler am Overhead-Projektor an der Uni Koblenz klar, was passiert, wenn man sich nach außen vernetzt. Alles, was analog ist, bekommt an irgendeiner Schnittstelle den Zugang zur binären Logik. In unserem eigenen Haus habe ich das schon längst umgesetzt, da es immer noch keine umfassenden Vernetzungskonzepte für die eigenen vier Wände aus einer Hand gibt. Unsere alte Yamaha-Musikanlage – der unkapputbare Verstärker stammt noch aus meiner Uni-Zeit in den 1980er Jahren – ist beispielsweise mit dem Airport von Apple verdrahtet und spult alles herunter…
Einige Gedanken von Winfried Felser, um die Unkonferenz-Idee namens Barcamp weiterzuentwickeln. Man fährt zur Veranstaltung, hört mit anderen Teilnehmern von einem „Experten“ eine Frontal-Präsentation. Von der Einweg-Berieselung bleibt nicht viel übrig.
Was früher einmal ausreichte, ist im neuen Zeitalter ungeeignet. Barcamps als offene Formate mit freier Themenfindung und größer Interaktivität stellen hier schon eine wesentliche Innovation dar, weil sie sowohl von der Themenfindung als auch vom wirklichen Kompetenz-Transfer durch Interaktivität eine höhere User Centricity darstellen. Aber auch ihnen fehlen oft die Nachhaltigkeit und Vernetzung mit anderen relevanten Aktivitäten der Teilnehmer. So findet in der Regel keine Vorbereitung und Nachbereitung des Events statt. Das Matchmaking erfolgt nur über die Themen einzelner Sessions. Die Teilnehmer sind sich oft unbekannt und können auch wechselseitig ihre Herausforderungen und Kompetenzen nicht einschätzen. Der Anschluss eines Barcamps an die Probleme sowie Anforderungen der Nutzer und den Transfer in die Praxis sind gering. Von der kollaborativen Kompetenzentwicklung wird nur während des Barcamps profitiert, anschließend verliert sich die Community. Ist das alternativlos?
Warum werden nicht alle Teilnehmer eines Events schon vor dem Event Teil einer Community, die durch Vorfeldaktionen aus sich selbst wächst? Dabei profilieren sich die Teilnehmer mit ihren Kompetenzen und Herausforderungen. Sie bringen bereits Vorerfahrungen / Vorwissen aus anderen Kontexten als Content ein. Ein Matchmaking bringt auf dieser Basis komplementäre Kompetenzträger für die Sessions zusammen. Teilnehmer der Sessions organisieren mögliche Inhalte. Bereits im Vorfeld werden Themen kommuniziert, die auch nach der Veranstaltung in andere Kontexte einfließen. Soweit die Ausführungen von Winfried.
Maschinenbauer, Schraubenhersteller und auch eine Vorzeigefirma wie Würth glauben nach wie vor, dass ihre Geschäftsmodelle den persönlichen Austausch bedingen. Ihre Leistungen würden online nicht funktionieren, lautet ein typischer und reflexartiger Satz von Industrievertretern.
„Das kollidiert doch mit der Welt, in der ich die Netflix-Aufladekarte mittlerweile an der Penny-Kasse bekomme oder meine Schrauben günstiger bei Amazon bestellen kann“, sagt Marco Petracca, Berater für B2B-Markenführung.
Netzszene muss praxisrelevante Vorschläge machen
Diese Welt ist dem Mittelstand fremd. Genauso fremd sind der Netzszene praxisrelevante Lösungsvorschläge, um Änderungen zu bewirken.
Der blinde Fleck in der Digitalisierung liegt also nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch an der Mangelhaftigkeit der netzökonomischen Kompetenz von digitalen Diskursen. Wir sollten also weniger über die digitalen Vorzeigeprojekte von Red Bull, Coca Cola & Co. sprechen oder stupides Online-Marketing-Blabla durch die Gegend pusten, sondern über handfeste digitale Strategien für Firmen wie EDAG Engineering in Fulda…