Hirnintensive Netzökonomie statt Industrie 4.0-Gequatsche – Schaut nach Schweden

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Wie viel 4.0 steckt in der Industrie? Wie viel 4.0 steckt in der Industrie?

Ständig wird einem von Lobbyisten und Regierungspolitikern eingetrichtert, wie wichtig die Industrie sei als Stabilitätsfaktor der Konjunktur.

Länder wie Frankreich hätten es da nicht so gut. Die gallische Wirtschaft sei weitgehend deindustrialisiert, produziere nichts mehr Gescheites oder müsse wie Peugeot Citroën von chinesischen Konzernen aufgefangen werden. Was da wohl noch mit VW passiert. Ein anständiger industrieller Anteil wird als Voraussetzung für eine ausgewogene ökonomische Entwicklung gesehen. Die VWL-Berater flöten es Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ins Ohr: Es müsse wieder mehr produziert, gebaut, geschraubt werden. Das war auch nach der Finanzkrise das Allheilmittel.

Abwrack-Politik

Abwrackprämie statt Investitionen in Wissensberufe oder den Ausbau der digitalen Infrastruktur. So konnte der Industriesektor seinen Anteil an der Wertschöpfung bei 25 bis 26 Prozent stabilisieren. Gleiches gilt für die Zahl der Industriebeschäftigten. Für die globalen Märkte hat sich Deutschland auf Luxusautos, Maschinenbau und Chemie spezialisiert – allerdings mit einer sinkenden…

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Vom Fluch der Pareto-Verteilung – Aristokratische Machtverhältnisse in der Netzökonomie #NEO16

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Zuckerberg

Der Medienphilosoph Norbert Bolz hat vor einigen Jahren mahnend den Finger gehoben und davor gewarnt, dass sich im Internet aristokratische Machtverhältnisse ausbreiten. Es bestätige sich das Pareto-Gesetz der 80/20-Verteilung.

„Das ist ein Effekt, der sich überall dort einstellt, wo Menschen aus einer Fülle von Möglichkeiten wählen können“, führt Bolz aus.

Vielfalt + Wahlfreiheit = Ungleichheit. 20 Prozent aller Knoten ziehen 80 Prozent aller Links auf sich. Wo sich Vielfalt, Ungleichheit und Abweichungsverstärkung verkoppeln, stellt sich die 1897 von Vilfredo Pareto entdeckte Verteilung ein, die man in einfachster Mathematik durch die Formel y = 1/x darstellen könne. Deshalb bekomme man auch im Web eine Wirtschaft der Stars. Der Soziologe Robert K. Merton nennt das den Matthäus-Effekt: Wer hat, dem wird gegeben. Oder wie es der Millionär Gunter Sachs etwas deftiger ausdrückte.

„Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“

Dieser Matthäus-Effekt prägt nach Meinung von Bolz auch im Netz die Machtverhältnisse:

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Disruptive Innovatoren und die Platzhirsche der Wirtschaft – Live-Hangout heute um 18 Uhr

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So schnell kommt man zu einem Interview.

Welche disruptiven Innovatoren werden denn nun wirklich die Platzhirsche der Wirtschaft herausfordern?

Man könnte natürlich auch die „ultimative“ Kollmann-Frage stellen: Welches Startup aus dem Silicon Valley mit einer tollen disruptiven Innovation und einer Menge Geld wird etablierte Branchen kaputtmachen?

Text zum Thema hier.

Man hört, sieht und streamt sich heute um 18 Uhr.

Wer rein möchte in den Linve-Hangout, sollte mich schnell noch informieren, um den Zugangslink zu bekommen 🙂

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Was ist denn nun disruptiv und was nicht? Meinung gefragt

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Auf der Suche nach disruptiven Angreifern Auf der Suche nach disruptiven Angreifern

Die wahrscheinlich einflussreichste Managementtheorie der vergangenen 20 Jahre wird oft missverstanden. Es geht um die Disruptionstheorie. Mit dem von Professor Clayton M. Christensen entwickelten Modell lässt sich relativ gut vorhersagen, welche aufstrebenden Unternehmen beim Einstieg in einen neuen Markt Erfolg haben werden und welche nicht. Die Theorie verliert ihren Nutzen, wenn sie beliebig auf jede Art von Innovation projiziert wird. Zu dieser Auffassung gelangt Christensen in einem Beitrag für „Harvard Business Manager“. Der Autor vermutet nun wohl zurecht, dass kaum einer der selbst ernannten digitalen Evangelisten, die von Disruption sprechen, auch nur ein einziges ernst zu nehmendes Buch oder Fachartikel zu diesem Thema gelesen haben. Das würde ihre schwatzhafte Tournee zeitlich nicht zulassen.

Uber und MyTaxi sind nicht disruptiv

„Disruptive Innovationen“ werden mittlerweile auf so ziemlich alle Situationen ins Feld geführt, in denen sich eine Branche verändert und die zuvor erfolgreichen Platzhirsche in Bedrängnis…

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Was macht der Messestand eigentlich nachts? #Cebit16 #CampusMittelstand

Livestreaming-Opus ist immer noch aktuell, da Google wenig am Dienst Hangout on Air geändert hat. Eigentlich gar nichts.
Livestreaming-Opus ist immer noch aktuell, da Google wenig am Dienst Hangout on Air geändert hat. Eigentlich gar nichts.

Was der Messestand nachts macht, ist mir relativ egal. Wir – also Hannes Schleeh und ich – diskutierten diese Frage auf der Cebit 2013 mit Sascha Stoltenow und waren fasziniert von den möglichen Antworten, die wir darauf per Livestreaming und automatischer Youtube-Aufzeichnung geben könnten. Hannes war 15 Jahre lang für die Messeauftritte der Maschinenring-Organisation zuständig und kannte die Probleme der Messeverantwortlichen daher sehr gut.

Eine Messe ist immer eine riesige Aktion für eine Organisation. Sie kostet eine Menge Geld und Nerven. Die Verantwortlichen müssen nach dem Event Rechenschaft darüber ablegen, ob der Auftritt erfolgreich war. Um so wichtiger ist es, die vielen Aktivitäten am Messestand zu dokumentieren und zu archivieren. Mit Liveübertragungen via Hangout on Air erfüllt man diese Anforderungen in Perfektion. Livestreams stellen die Kommunikation für Abwesende sicher.

Zudem erzeugen die sofort verfügbaren Youtube-Konserven Netzwerk-Effekte, die auch nach dem Messegeschehen weiter wirken. Man kann Vorträge, Diskussionsrunden, Workshops und Interviews vorher via Google Plus-Eventseiten ankündigen. Die Videos verfügen über einen iframe-Code, um sie auf anderen Website zu präsentieren und die Einladungsfunktion ist ein gutes Werkzeug, um Kunden, Journalisten, Geschäftspartner, Lieferanten und weitere Interessierte persönlich einzuladen.

Mit den zu jeder Zeit abrufbaren Youtube-Videos arbeitet der Messestand nicht nur nachts, sondern auch nach der Messe. Jede Session kann während und nach der Liveübertragung kommentiert werden. Die Videos können publizistisch verwertet werden für Blogpostings, Pressemitteilungen, Dokus oder eBooks. Nichts geht verloren.

Im vergangenen Jahr haben wir als Netzökonomie-Campus die Sessions für klein- und mittelständische Unternehmen in einem Livestreaming-Marathon verfügbar gemacht.

In diesem Jahr wird das wiederholt in Halle 5 beim Campus-Mittelstand dank der Initiative des Veranstalters Andreas Fischer. Er hat den Spruch „Was macht der Messestand eigentlich nachts“ verinnerlicht. Wir sehen, hören und streamen uns nächste Woche von Montag bis Freitag 🙂

Hier sind alle Livestreams im Überblick:

Montag, den 14. März

Dienstag, den 15. März

Mittwoch, den 16. März

Donnerstag, den 17. März

FINAAAALE – Freitag, den 18. März

Warum das Industrie 4.0-Wortgeklingel in die Irre führt – Neues Denken für die Netzökonomie

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Die gallische Wirtschaft sei weitgehend deindustrialisiert, produziere nichts mehr Gescheites oder müsse wie Peugeot Citroën von chinesischen Konzernen aufgefangen werden. Ein anständiger industrieller Anteil wird als Voraussetzung für eine ausgewogene ökonomische Entwicklung gesehen. Die VWL-Berater flöten es Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ins Ohr: Es müsse wieder mehr produziert, gebaut, geschraubt werden. Das war auch nach der Finanzkrise das Allheilmittel.

Abwrackprämie statt Investitionen in Wissensberufe oder den Ausbau der digitalen Infrastruktur. So konnte der Industriesektor seinen Anteil an der Wertschöpfung bei 25 bis 26 Prozent stabilisieren. Gleiches gilt für die Zahl der Industriebeschäftigten. Für die globalen Märkte hat sich Deutschland auf Luxusautos, Maschinenbau und Chemie spezialisiert – allerdings mit einer sinkenden Fertigungstiefe im eigenen Land. Wird ein großer industrieller Sektor auch künftig noch von Vorteil sein, fragt sich der Wirtschaftspublizist Henrik Müller. Diese trügerischen Stärken können sich sehr schnell in Schwächen umkehren.

„Osteuropäische, später asiatische Volkswirtschaften, allen voran China, industrialisierten sich im Zeitraffer. Davon profitierte Deutschland wie kein anderes Land: Weil es hierzulande noch potente Firmen gibt, die Fabriken mit Maschinen ausstatten oder gleich ganze Fabriken errichten, weil es Infrastrukturanbieter wie Siemens gibt, die etwa ganze Bahnsysteme zu installieren in der Lage sind, weil es Luxusautohersteller gibt, die die neuen Reichen in den Schwellenländern mit Statussymbolen versorgen. Kurz: Deutschland hat all das noch im Angebot, was es anderswo längst nicht mehr gibt – weil der Strukturwandel in den 1980er und 1990er Jahren hierzulande verzögert ablief.”

Wissensintensive Dienstleistungen als Wettbewerbsfaktor

Wenn sich aber der Aufholprozess in diesen Schwellenländern abschwächt, was derzeit der Fall ist, wenn ausländische Autohersteller lernen, die Bedürfnisse der neuen Mittelschichten zu befriedigen, dann fragt sich, wer denn künftig die Kunden der deutschen Industrie sein sollen. Der Niedergang des Wolfsburger Konzern könnte das im Zeitraffer beschleunigen. Generell wird die Industrie in der Massenproduktion an Bedeutung verlieren.

„Wirtschaft und Gesellschaft wachsen über das Produzieren und Konsumieren von physischen Produkten hinaus und verlegen sich aufs Dienen und später aufs Wissen. Dienstleistungen, zunehmend auch wissensintensive Dienstleistungen dominieren heute in allen entwickelten Ländern die Wirtschaftsstrukturen. Es werden nicht mehr zuvörderst physische Güter hergestellt, viel wichtiger sind Leistungen an Mensch oder Materie”, schreibt Müller in seinem Opus “Wirtschaftsirrtümer”.

Postindustrielle Arbeitsplätze

Gesundheit, Bildung, Freizeit, Ernährung, Haushaltsservices, Vernetzungskonzepte, Apps oder Cloud-Technologien werden wichtiger.

„Auch Deutschland hat diese Entwicklung seit den 1970er Jahren durchgemacht, allerdings ist sie im Zuge der Globalisierung zum Stillstand gekommen. Um 1997 hat sich die industrielle Produktion stabilisiert. Die absolute Zahl der produzierenden Beschäftigten ist dabei in den vergangenen Jahren in etwa stabil geblieben. Die beeindruckenden deutschen Beschäftigungsgewinne haben in anderen Sektoren stattgefunden. Im Jahr 1995 waren ein Viertel der Arbeitnehmer mit Produzieren beschäftigt, heute sind es nur noch ein Fünftel. Beschäftigungszuwächse konnten vor allem die Unternehmensdienstleister verbuchen, teils durch Outsourcing von Aktivitäten aus traditionellen Industriekonzernen sowie Informations-und Kommunikationsservices”, so Müller.

Er sieht keinen Grund, dass die Schwellenländer einen fundamental anderen Weg gehen werden. Wir sollten uns deshalb neue Vorbilder suchen, die besser dastehen als wir selbst. Schweden zum Beispiel.

“Das skandinavische Land genießt ein höheres Wohlstandsniveau als Deutschland (eine Differenz von 2.000 US-Dollar pro Kopf). Beschäftigungsstand, Lebenserwartung und Lebenszufriedenheit sind höher, die Einkommensverteilung gleichmäßiger. Staat und Wirtschaft geben einen größeren BIP-Anteil für Forschung und Entwicklung aus als alle anderen OECD-Länder (außer Finnland): Stabil zwischen 3 und 4 Prozent des BIP. Das Vertrauen ins politische System ist hoch. Um nur einige Wohlfahrtsindikatoren zu nennen. Man muss Schweden nicht in allen Facetten als vorbildlich ansehen, aber dass das Land ökonomisch und gesellschaftlich gegenüber Deutschland einen Vorsprung hat, ist offensichtlich. Schwedens Wirtschaft ist hochgradig wettbewerbsfähig, was sich in ähnlich hohen Leistungsbilanzüberschüssen niederschlägt, wie sie Deutschland verzeichnet”, weiß Müller.

Folgt man der Litanei der Industrievertreter, dürfte es das skandinavisches Wirtschaftswunder dürfte es eigentlich nicht geben. Denn Schweden habe einen vergleichsweise kleinen industriellen Sektor: 20 Prozent trägt die Industrie noch zum BIP bei, deutlich weniger als im Jahr 2000. Die Zahl der Jobs, im produzierenden Gewerbe, ist von 19 auf 15 Prozent der Gesamtbeschäftigung gefallen.

„Aber das skandinavische Land verfügt über eine große Stärke, die Deutschland nicht hat: Es verdient sehr erfolgreich im Handel mit Dienstleistungen. Mehr als 20 Milliarden US-Dollar Überschuss erwirtschaftete Schweden 2011 mit dem Verkauf von Services, Patenten und Lizenzen – viermal so viel wie noch 2004. Deutschland hingegen machte im selben Zeitraum ein Defizit im Dienstleistungshandel von knapp 32 Milliarden US-Dollar”, führt Müller aus.

Der Handel mit hirnintensiven Dienstleistungen und der Verkauf von Wissen ersetzen in Schweden zunehmend den Handel mit physischen Produkten – postindustrielle, hochproduktive Aktivitäten mit großem Input von Wissen. Dafür sind andere Qualifikationen und ein anderes Umfeld vonnöten. Mit der dualen Berufsausbildung auf IHK-Niveau kommt man nicht mehr weit.

Maschinisten sind schlechte Netzökonomen

Wie viel Industrie wird also noch in der Netzökonomie stecken? Das 4.0-Geblubbere suggeriert die heile Welt der guten, alten Exportnation mit Schmieröl und rauchenden Schloten. Es soll Sicherheit, Kontinuität und Leistungsstärke demonstrieren wie in den Wirtschaftswunder-Zeiten:

„Ja gut, es wird ein bisschen digitalisiert, aber sonst bleibt alles beim Alten – eine Fabrik mit Fließband und Internetanschluss, festen Arbeitszeiten und einer dazugehörigen festen Lebensplanung bis zur Rente“, schreibt Wolf Lotter zur Maschinen-Thematik von „brandeins“.

Der Name sei Programm. Er rüttelt nicht auf, sondern begleitet uns in das Gestern:

„Industrie 4.0, ein Schritt nach vorn, zwei zurück.“

Die vermeintlich vierte industrielle Revolution sei die erste, die auf Geheiß von Politikern und Verbänden stattfinden soll. Über den Status von Rundlauf-Akten, die zwischen den drei beteiligten Bundesministerien zirkulieren, wird das großspurig verkündete Projekt nicht hinauskommen.
Statt hausbackene Definitionen aus dem Industriezeitalter zu verwenden, wären Überraschungen vonnöten, um neues Denken zu befördern. Wenn man mit Versionsnummern hausieren geht, wäre Wissen 1.0 ein Ausrufezeichen, um zu dokumentieren, dass wir seit 1980 statistisch gesehen gar keine Industrienation mehr sind. Knapp 25 Prozent der Beschäftigten arbeiten noch in der Industrie, Mitte der Sechzigerjahre waren es 49,2 Prozent. Seitdem geht es bergab.

„Gleichzeitig hat sich die Produktivität mehr als versechsfacht. Das versteht man klarer, wenn man weiß, dass die in der Statistik der Industrie zugeschlagenen Beschäftigten Wissensarbeiter sind, Ingenieure, Entwickler, Automatisierungs- und Prozessexperten“, erläutert Lotter.

Was wir also brauchen, sind kreative Köpfe und keine Maschinen-Prediger. Unser ökonomisches Verständnis oder Missverständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge hängt zum großen Teil von unserer Art des Sprechens ab.

Leblose Begriffskaskaden befördern Entscheider in Politik und Wirtschaft ins tatenlose Koma. Es ist ein radikal andere Haltung vonnöten, die sich deutlich von den heute noch vorherrschen klassischen Managementschulen unterscheidet. Das hat der Soziopod-Blogger Patrick Breitenbach im mit Gespräch Toby Baier auf den Punkt gebracht.

VWStory

Die Hebel der Netzökonomie

Es dominieren die linearen Konzepte mit Anfang und Ende, oben und unten, Anweisung und Befolgung. Das suggerieren Weiter-so-Leerformeln wie Industrie 4.0 und Digitale Transformation. Die Ursache sieht Hochschulprofessor Lutz im Business Reengineering.

„Das ist für mich die größte Erbsünde der Managementlehre aus den 1980er Jahren. Man kann soziale Organisationen nicht Reengineeren, weil es keine simplen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gibt. Kultur kann man nur durch Narrative und vorgelebte Praktiken ändern. Die Prozesse zur Diffusion dauern in großen Organisationen natürlich lange. Trägheitsmomente und Verharrungsvermögen haben da eine andere Qualität. Deshalb macht es Sinn, kleine und selbständig agierende Kerne zu bilden.“

Alle Prozesse und Modelle im Unternehmen sollten sich an den Erfolgsfaktoren des Internets orientieren, fordert Willms Buhse im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Boardreport:

„Dazu zählen Vernetzung, Offenheit, Partizipation und Agilität (VOPA).“

Was das für den industriellen Sektor heißt, erläutert Buhse am Beispiel des Autobauers Local Motors:

„Der reizt die Hebel der Netzökonomie aus und generiert seine besten Fachkräfte direkt im Netz und zwar in Online-Communities.“

Neue Modellreihen werden nicht unter strenger Geheimhaltung und hinter verschlossenen Türen produziert, sondern mit Hilfe von rund 36.000 Experten, die sich in der Online Community organisieren. Neue Modell werden nach dieser Methode schneller, sondern auch kostengünstiger entwickelt.

„Tesla und Co. mögen zunächst defizitär sein – aber das macht sie nicht minder gefährlich. Risikobereitschaft und Vertrauen machen ihre Entwicklungen zu den Erfolgsgeschichten der Zukunft. Agile und partizipative Führung sind notwendige Voraussetzungen dafür“, resümiert Buhse.

Die Industrie 4.0-Formel ist ein völlig untauglicher Versuch von Ingenieuren und Lobbyisten, altes Denken in ein neues Zeitalter zu transformieren. Das wird nicht gelingen. Soweit meine Überlegungen zum Learning Factory-Symposium Ende des Jahres.

Was Arbeitgeber vom Militärstrategen Moltke lernen können #DezentraleArbeit

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Arbeiten in den eigenen vier Wänden Arbeiten in den eigenen vier Wänden

Dezentrale Arbeit ist in Deutschland immer noch die Ausnahme. Insgesamt arbeiteten im Jahr 2012 nach Erkenntnissen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) rund zwölf Prozent oder 4,7 Millionen der Erwerbstätigen überwiegend oder gelegentlich in den eigenen vier Wänden – etwa 800.000 weniger als noch vier Jahre zuvor, als die Zahl der Heimarbeiter ihren Höhepunkt erreichte.

„Viele Arbeitnehmer wollen gerne häufiger zu Hause arbeiten, dürfen das aber nicht. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland deshalb bei der Heimarbeit hinterher“, berichtet die SZ über eine neue Studie, die das DIW vorgelegt hat.

In andere europäischen Ländern geht der Zug genau in die entgegen gesetzte Richtung – besonders in den skandinavischen Staaten sowie in Frankreich, Großbritannien und in den mitteleuropäischen Ländern (Schweiz, Österreich, Belgien und Luxemburg). Überdies hat in Europa der Anteil der Heimarbeiter an allen Arbeitnehmern stetig zugenommen, während er in Deutschland abgenommen hat.

„Zwar gibt es…

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Thomas Herndon versus Reinhart/Rogoff – Wenn inkompetente Excel-Ökonomen irren und zur Tagesordnung übergehen #brandeins

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Blöde Ökonomen

Mir war es als Student der Volkswirtschaftslehre leider nicht vergönnt, mit meiner Diplomarbeit über das Erdgas-Röhren-Embargo gegen die Sowjetunion oder mit meinen finanzwissenschaftlichen Seminar-Stücken auch nur annähernd so bekannt zu werden wie der VWL-Student Thomas Herndon. Er widerlegte vor gut zwei Jahren das Verschuldungs-Mantra der Harvard-Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff. Bekanntlich kamen die beiden Excel-Ökonomen in ihrer wissenschaftlichen Publikation „Growth in a Time of Debt“nach der Analyse von Verschuldung und Wachstumsraten führender Industrienationen zu dem Ergebnis, dass sich Konjunkturprogramme nicht lohnen, um ein Land aus einer Rezession zu führen, sondern eher schaden. Sobald die Staatsschulden mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen, schrumpft das Wachstum. “

Die Untersuchung wurde zu einem wichtigen Argument für die Debatte, wie die Folgen der Weltfinanzkrise bewältigt werden können“ , schreibt bandeins in der November-Ausgabe mit dem sympathischen Schwerpunkt „Ökonomischer Unsinn“(unbedingt bestellen, lohnt sich).

Herndon sollte diese These in seiner Semesterarbeit…

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Mehr Nerd-Geist gefragt – Bonner Next Economy Open als Plattform für Wirtschaft und Netzszene #NEO15

Bühne frei für die Next Economy Open im Rheinischen Landesmuseum in Bonn
Bühne frei für die Next Economy Open im Rheinischen Landesmuseum in Bonn

Wer sich mit der digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigt, sollte nicht nur Internet-Werkzeuge im Blick haben, sondern muss die Veränderungen betrachten, die sich aus der Logik des Netzes ableiten:

„Wirtschaft, die im Internet stattfindet, kann kaum mehr sinnvoll abgegrenzt werden von solcher, die nicht im Internet stattfindet“, so die Einschätzung von Christoph Kappes.

Digitalisierung der Landwirtschaft, Robotereinsatz in der Altenpflege oder Online-Marktplätze für Handwerker sind nur einige Phänomene, die auch traditionelle Branchen auf den Kopf stellen.

„Wenn heute jeder mit jedem online kommuniziert, Geschäfte zunehmend nicht mehr im sauerländischen Konferenzraum, sondern weltweit im Browser getätigt werden, Arbeitsplätze nach digitaler Sexyness ausgewählt werden, das Netzwissen unseren Alltag und unsere Kultur prägt, stellt sich die Frage, wie die deutschen Traditionsunternehmen in Zukunft bestehen sollen“, fragt sich der Mittelstandsexperte Marco Petracca.

Besonders in diesen Unternehmen wird nach Ansicht von Professor Peter von Mitschke-Collande unterschätzt, dass die Digitalisierung nur zu 20 Prozent eine Frage der Technologie ist. 80 Prozent der Aufgaben liegen im Management und im Verhalten der vernetzten Privat- und Geschäftskunden. Es reicht dabei nicht aus, ein wenig mehr IT und Social Web einzusetzen, um die eigene Organisation zukunftsfähig zu machen.

Maschinenbauer, Logistiker, Robotik-Spezialisten und Zulieferer sollten sich deshalb eine existentiell wichtige Frage stellen, die Professor Tobias Kollmann beim Netzökonomie-Campus in die Diskussion warf und beim NEO-Talk in Bonn am 9. November zusammen mit Kerstin Lomb, Managing Partner WP Board Services, Victoria Appelbe, Wirtschaftsförderin der Bundesstadt Bonn und
Philipp Becker, Geschäftsführer OSCAR Young Management Consultants, beantworten wird:

„Welches Startup mit einer tollen innovativen Idee aus dem Silicon Valley würde mit viel Geld Ihre Branche kaputt machen?“

Ein Problem der mangelhaften digitalen Kompetenz der Wirtschaft sieht Kollmann in Forschung und Lehre.

„Wir bilden für die digitale Wirtschaft nicht aus. Das findet in den Lehrplänen einfach nicht statt.“

Hier verortet der Beauftragte für die Digitale Wirtschaft ein großes Handicap, weil dadurch nicht nur die Fachkräfte für die digitale Transformation in Mittelstand und Konzernen fehlen, sondern auch zu wenig Gründer aus den Hochschulsystemen herauskommen. Hier müsste dringend eine Basis für die nächste Gründergeneration gebildet werden.

„Wir müssen diese Themen in die Bachelor-Studiengänge reinbekommen”, so das Plädoyer von Kollmann.

Diese Strukturen für die Aus- und Weiterbildung fehlen auch in Berufsschulen und IHK-Lehrgängen.

Mehr denn je braucht Deutschland für den disruptiven Wandel von Ökonomie und Gesellschaft den Dialog zwischen Mittelstand und Netzszene. Davon sind wir allerdings weit entfernt. Firmeninhaber, Techniker und Ingenieure haben eine eher verschlossene Mentalität und sehnen sich nach Stabilität, die man in der Provinz vorfindet. Die Kommunikation endet häufig am Ortsausgangsschild. Spätestens wenn die Betriebe auf Wettbewerbsprobleme stoßen, die die digitale Sphäre auslöst, könnte sich diese Haltung rächen.

Wenn etwa Kunden der Hidden Champions Anlagen direkt über chinesische Absatzmärkte oder indirekt über eine Plattform wie Alibaba ordern und das deutsche Unternehmen mit dem dreifachen Preis auf der Strecke bleibt, wenn sie sich nicht zuvor auf diese neuen Herausforderungen vorbereitet haben.

Das muss sich ändern. Deshalb braucht die etablierte Wirtschaft mehr Nerd-Geist. Auf der Next Economy Open in Bonn wollen wir diesen Geist vermitteln. Klassik trifft Gründer, Nerds, Hacker, Entwickler und Blogger. Am 9. und 10. November im Rheinischen Landesmuseum am Bonner Hauptbahnhof.

Dem Payment-Champion Apple kann man wohl nichts mehr entgegensetzen.