Der Medienphilosoph Norbert Bolz hat vor einigen Jahren mahnend den Finger gehoben und davor gewarnt, dass sich im Internet aristokratische Machtverhältnisse ausbreiten. Es bestätige sich das Pareto-Gesetz der 80/20-Verteilung.
„Das ist ein Effekt, der sich überall dort einstellt, wo Menschen aus einer Fülle von Möglichkeiten wählen können“, führt Bolz aus.
Vielfalt + Wahlfreiheit = Ungleichheit. 20 Prozent aller Knoten ziehen 80 Prozent aller Links auf sich. Wo sich Vielfalt, Ungleichheit und Abweichungsverstärkung verkoppeln, stellt sich die 1897 von Vilfredo Pareto entdeckte Verteilung ein, die man in einfachster Mathematik durch die Formel y = 1/x darstellen könne. Deshalb bekomme man auch im Web eine Wirtschaft der Stars. Der Soziologe Robert K. Merton nennt das den Matthäus-Effekt: Wer hat, dem wird gegeben. Oder wie es der Millionär Gunter Sachs etwas deftiger ausdrückte.
„Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“
Dieser Matthäus-Effekt prägt nach Meinung von Bolz auch im Netz die Machtverhältnisse:
Welche disruptiven Innovatoren werden denn nun wirklich die Platzhirsche der Wirtschaft herausfordern?
Man könnte natürlich auch die „ultimative“ Kollmann-Frage stellen: Welches Startup aus dem Silicon Valley mit einer tollen disruptiven Innovation und einer Menge Geld wird etablierte Branchen kaputtmachen?
Die wahrscheinlich einflussreichste Managementtheorie der vergangenen 20 Jahre wird oft missverstanden. Es geht um die Disruptionstheorie. Mit dem von Professor Clayton M. Christensen entwickelten Modell lässt sich relativ gut vorhersagen, welche aufstrebenden Unternehmen beim Einstieg in einen neuen Markt Erfolg haben werden und welche nicht. Die Theorie verliert ihren Nutzen, wenn sie beliebig auf jede Art von Innovation projiziert wird. Zu dieser Auffassung gelangt Christensen in einem Beitrag für „Harvard Business Manager“. Der Autor vermutet nun wohl zurecht, dass kaum einer der selbst ernannten digitalen Evangelisten, die von Disruption sprechen, auch nur ein einziges ernst zu nehmendes Buch oder Fachartikel zu diesem Thema gelesen haben. Das würde ihre schwatzhafte Tournee zeitlich nicht zulassen.
Uber und MyTaxi sind nicht disruptiv
„Disruptive Innovationen“ werden mittlerweile auf so ziemlich alle Situationen ins Feld geführt, in denen sich eine Branche verändert und die zuvor erfolgreichen Platzhirsche in Bedrängnis…
Livestreaming-Opus ist immer noch aktuell, da Google wenig am Dienst Hangout on Air geändert hat. Eigentlich gar nichts.
Was der Messestand nachts macht, ist mir relativ egal. Wir – also Hannes Schleeh und ich – diskutierten diese Frage auf der Cebit 2013 mit Sascha Stoltenow und waren fasziniert von den möglichen Antworten, die wir darauf per Livestreaming und automatischer Youtube-Aufzeichnung geben könnten. Hannes war 15 Jahre lang für die Messeauftritte der Maschinenring-Organisation zuständig und kannte die Probleme der Messeverantwortlichen daher sehr gut.
Eine Messe ist immer eine riesige Aktion für eine Organisation. Sie kostet eine Menge Geld und Nerven. Die Verantwortlichen müssen nach dem Event Rechenschaft darüber ablegen, ob der Auftritt erfolgreich war. Um so wichtiger ist es, die vielen Aktivitäten am Messestand zu dokumentieren und zu archivieren. Mit Liveübertragungen via Hangout on Air erfüllt man diese Anforderungen in Perfektion. Livestreams stellen die Kommunikation für Abwesende sicher.
Zudem erzeugen die sofort verfügbaren Youtube-Konserven Netzwerk-Effekte, die auch nach dem Messegeschehen weiter wirken. Man kann Vorträge, Diskussionsrunden, Workshops und Interviews vorher via Google Plus-Eventseiten ankündigen. Die Videos verfügen über einen iframe-Code, um sie auf anderen Website zu präsentieren und die Einladungsfunktion ist ein gutes Werkzeug, um Kunden, Journalisten, Geschäftspartner, Lieferanten und weitere Interessierte persönlich einzuladen.
Mit den zu jeder Zeit abrufbaren Youtube-Videos arbeitet der Messestand nicht nur nachts, sondern auch nach der Messe. Jede Session kann während und nach der Liveübertragung kommentiert werden. Die Videos können publizistisch verwertet werden für Blogpostings, Pressemitteilungen, Dokus oder eBooks. Nichts geht verloren.
In diesem Jahr wird das wiederholt in Halle 5 beim Campus-Mittelstand dank der Initiative des Veranstalters Andreas Fischer. Er hat den Spruch „Was macht der Messestand eigentlich nachts“ verinnerlicht. Wir sehen, hören und streamen uns nächste Woche von Montag bis Freitag 🙂
Dezentrale Arbeit ist in Deutschland immer noch die Ausnahme. Insgesamt arbeiteten im Jahr 2012 nach Erkenntnissen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) rund zwölf Prozent oder 4,7 Millionen der Erwerbstätigen überwiegend oder gelegentlich in den eigenen vier Wänden – etwa 800.000 weniger als noch vier Jahre zuvor, als die Zahl der Heimarbeiter ihren Höhepunkt erreichte.
In andere europäischen Ländern geht der Zug genau in die entgegen gesetzte Richtung – besonders in den skandinavischen Staaten sowie in Frankreich, Großbritannien und in den mitteleuropäischen Ländern (Schweiz, Österreich, Belgien und Luxemburg). Überdies hat in Europa der Anteil der Heimarbeiter an allen Arbeitnehmern stetig zugenommen, während er in Deutschland abgenommen hat.
Mir war es als Student der Volkswirtschaftslehre leider nicht vergönnt, mit meiner Diplomarbeit über das Erdgas-Röhren-Embargo gegen die Sowjetunion oder mit meinen finanzwissenschaftlichen Seminar-Stücken auch nur annähernd so bekannt zu werden wie der VWL-Student Thomas Herndon. Er widerlegte vor gut zwei Jahren das Verschuldungs-Mantra der Harvard-Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff. Bekanntlich kamen die beiden Excel-Ökonomen in ihrer wissenschaftlichen Publikation „Growth in a Time of Debt“nach der Analyse von Verschuldung und Wachstumsraten führender Industrienationen zu dem Ergebnis, dass sich Konjunkturprogramme nicht lohnen, um ein Land aus einer Rezession zu führen, sondern eher schaden. Sobald die Staatsschulden mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen, schrumpft das Wachstum. “
Michael Zachrau (Mitte) beim Käsekuchen-Diskurs des Netzökonomie-Campus
Während die einen Unternehmen stagnieren oder gar Marktanteile verlieren und andere seit Jahrzehnten über Grenzen des Wachstums schwadronieren, steht bei der NEO-Session von Michael Zachrau genau das im Vordergrund: WACHSTUM. Es geht dabei nicht mehr um Image, Reputation und tausend Zielkonflikte, sondern die Fokussierung auf profitables Wachstum. Wie 2016 online Werte geschaffen und virales Wachstum erreicht werden? Was das für unser Geschäftsmodell bedeutet? Welche Rolle Software-Entwicklung, Vernetzung, Digitalisierung und Kunden-Engagement dabei spielen?
Lernen von den StartUps/Disruptoren aus dem Valley, aber auch aus Berlin von den erfolgreichen Rocket Internet Gründern.
Ziele der Session von Michael Zachrau:
1. Teilnehmer erarbeiten sich ein Verständnis für die Neue Relevanz von SW-Entwicklung, Auflösung der materiellen Welt, Auflösung der Grenzen, Nutzen von Gamification-Denke, Methoden und Mentalität von erfolgreichsten Neu-Gründern, Fokussierung auf „besser“ nicht „anders“, Verstärkung der Produktentwicklung statt mehr Marketing/Vertrieb, den vernetzten Kunden die besten Online-Marketing-Strategien bieten.
Die im akademischen Betrieb tätigen Ökonomen liefern mit ihren Modellen keine Aussagen über Kausalzusammenhänge, sie bieten lediglich mögliche Interpretationen vergangener Handlungen von Wirtschaftsakteuren, kritisiert Tobias Schmidt in der Zeitschrift Merkur.
Das Ganze ist eine Beschreibung vorhandener Datenreihen. Für die Zukunft folge daraus nichts, bemerkt der Merkur-Autor. Dennoch kommen solche Modell permanent zum Einsatz. Eine Zirkelschluss-Ökonomie mit Blick in den Rückspiegel unter Ausschaltung der wirtschaftlichen und politischen Realität.
Einen völligen Blindflug legen die Professoren der Wirtschaftswissenschaften in netzökonomischen Fragen an den Tag. Die ungeheure Dynamik der digitalen Transformation mit ihren ständig neu aufkommenden Trends in der Informationstechnik und der Angriffslust der Internetkonzerne aus dem Silicon Valley stehen nicht auf den Lehrplänen von VWL und BWL. Wie sollte die Wettbewerbspolitik auf die Monopolstrategien von Google und Co. reagieren? Die Internet-Plattformen könnten machtpolitisch irgendwann zu einem Problem werden, warnt Professor Lutz Becker, Studien-Dekan der Fresenius Hochschule, im ichsagmal.com-Interview.
Damit müssten wir uns gesellschaftlich auseinandersetzen, fordert Becker. Antworten von den unpolitischen Modellschreinern der wirtschaftswissenschaftlichen Institute sind da nicht zu erwarten. Gefragt wäre eher ein Ludwig Erhard des 21. Jahrhunderts mit netzökonomischer und soziologischer Expertise, der erkennt, wie man mit den großen Aggregationen des Silicon Valley ordnungspolitisch umgeht.
“Das nationale Kartellrecht ist mittlerweile ein zahnloser Tiger. AT&T ist im Vergleich zu Google aus nichtigem Anlass zerschlagen worden”, so Becker.
Das funktioniere im globalen Maßstab nicht mehr. Bislang gebe es keine Antworten auf die “Highländer-Märkte”– also auf das Bestreben der amerikanischen Technologie-Konzerne nach absoluter Herrschaft: “Erst werden maximale Marktanteile angestrebt und erst danach fängt man mit der Abschöpfung an.”
Wie schnell sich Gewichtungen ändern ändern können, sehe man am iCar von Apple.
“Auf einmal sitzt selbst der Audi-Chef Rupert Stadler auf dem Beifahrersitz. Das haben diese Konzernchefs in der Geschichte der Automobilindustrie noch nie erlebt”, erläutert Becker.
Mit der aktuellen VW-Krise wird sich dieser Prozess beschleunigen.
Auch klassische Industrien werden durch die Plattform- und App-Ökonomie in neue oligopolistische Abhängigkeitsverhältnisse geraten, etwa durch 3D-Druck- und Robotik-Plattformen zu sehen.
“In dieser Welt ersetzt der ‘Wettbewerb um den Markt’ den ‘Wettbewerb im Markt’. Im Zentrum eines solchen Ökosystems sitzt ein Market Maker, alle anderen Unternehmen müssen ihre Strategien anpassen und degenerieren zu digitalen Pizzabring-Diensten.”
Für den herkömmlichen Reifenhändler oder Kleinverlag, für den ortsansässigen Apothekerbetrieb oder den Optiker seien das keine tauglichen Rezepte, um bei weiterlaufendem Bestandsgeschäft den Wandel einzuläuten. Diese Rezepte seien von der Realität in vielen Unternehmen zu weit weg und können daher nicht angegangen werden.
“Als Antwort bieten sich gegebenenfalls offene und multifunktionale Plattformen an, die mittelständischen Industrien im Sinne des Commons-Gedanken vor neuen ökonomischen Abhängigkeiten schützen, gleichzeitig neue Geschäftsmodelle sowie Zugänge zu internationalen Märkten eröffnen”, resümiert Becker, der mit seinen Studentinnen und Studenten auf der Next Economy Open am 9. und 10. November ein Forschungsprojekt zur Plattformisierung der Wirtschaft vorstellen wird. Es geht um offene, partizipative, branchenunabhängige Mehrzweck-Plattformen nach Linux-Prinzipien.
Andreas R. Fischer, Initiator der Mittelstandsinitiative digitalize your business, wird zwei Sessions speziell für klein- und mittelständische Unternehmen auf der Next Economy Open am 9. und 10. November in Bonn anbieten: „Digitalisierung bedeutet nichts anderes als sein Unternehmen mit Hilfe des Internets neu zu organisieren! Wo bitte ist das Problem?“ (Format: Session/Workshop)
Ideen von Unternehmern für Unternehmer im Kontext der Digitalisierung! Andreas R. Fischer gibt eine Einführung zum Sessionthema. Danach erarbeiten die Teilnehmer unter Anleitung Beispiele dafür, wie das Internet und die dort verfügbaren Tools konkret auf die Optimierung von Arbeitsabläufen, die Motivation der Mitarbeiter, die Zufriedenheit der Kunden und die Anpassung bestehender beziehungsweise die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle einzahlt.
„Operation gelungen – Patient transformiert! Digitale Kompetenz basiert zu mindestens 80 Prozent NICHT auf technologischer Kompetenz!“ (Format: Session/Workshop)
Preisfrage für kleine, mittlere und mittelständische Unternehmen: Was überhaupt ist Digitalisierung? Und wie kann sie das eigene Unternehmen…