Wenn wir nur auf die Technologie starren, kommen wir bei der Digitalisierung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft keinen Millimeter voran, so das Credo von Mister Unternehmer-Plattform Winfried Felser bei einer Diskussionsrunde von Interactive Cologne. Die Digitalisierung sei nur der Möglichmacher.
Wir brauchen Zugänge zu Wissen, Technologie, Diensten und Ideen in offenen und vernetzten Strukturen – ohne verkrustete Hierarchien, Seilschaften und Pseudoeliten. Was wir häufig in Deutschland erleben, ist das genaue Gegenteil. Die alten Eliten verbinden sich zur Absicherung ihrer Herrschaft bei…
Wenn junge Menschen ihre Karriere planen, dominieren klassische Erwartungen. Rund 40 Prozent wollen in den öffentlichen Dienst, 15 Prozent streben einen Job in einer staatsnahen Einrichtung an und 20 Prozent träumen von einer Konzernlaufbahn. Dahinter steckt das Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität. Eine trügerische Hoffnung. Selbst in öffentlich-rechtlichen Institutionen müssen sich Mitarbeiter mit Zeitverträgen und einer wenig planbaren Zukunft herumschlagen zu höchst bescheidenen Konditionen. Man erwartet Überstunden und volle Leistung. Geizig sind öffentliche Auftraggeber beim Versprechen einer Festanstellung.
Konzernträume und bürokratischer Alltag
Wenig Erbauliches erleben die Nachwuchskräfte im bürokratischen Organisationsmoloch von großen Unternehmen: „
Die Abstimmungs- und Koordinationsprozesse in Konzernen fressen unglaublich viel Zeit und kosten Nerven, die langwierigen Konsensrituale führen meist zu durchschnittlichen Ergebnissen. Ich blieb jeweils nur so lange in einer Organisation Konzern, wie ich dort unternehmerisch handeln konnte“, bemerkt „Mister Personalmanagement“ Thomas Sattelberger im Interview mit „Der Bund“.
Abgesehen von den immer gleichen Büro-Büro-Mahlzeit-Ritualen sind auch die…
“Am 22. Januar 1929, einem Dienstag, kommt er zum ersten Mal in ein Tonfilmstudio, das seinerseits zu den allerersten in Deutschland zählt. Am Vorabend hatte er in der Preußischen Akademie der Künste bei der Feier zum zweihundertsten Geburtstag des Erzaufklärers Gotthold Ephraim Lessing die Festrede gehalten. Nun sitzt er im dunklen Anzug mit Weste, im weißen Hemd, mit einfarbiger Krawatte und einem blütenweißen Einstecktuch im Revers auf einem Stuhl, dessen hintere Holme über seiner Schulter wie zwei kleine Türme aufragen. Die Kamera läuft bereits. Mit einem unsichtbaren Gegenüber spricht der Studiogast noch einige nicht zu verstehende Worte, dann wird zum bewegten Bild…
Sehr geehrte Frau Mohn,
sehr geehrter Herr Albrecht, sehr geehrter Herr Professor Dueck,
liebe Frau Riess, lieber Ole, lieber Stefan,
lieber Herr Sattelberger, lieber Herr Bonn, lieber Herr Reichardt,
lieber Gunnar, liebe Anja, liebe Elen, liebe Julia, lieber Jan, lieber Christian,
lieber Stephan, lieber Michael, lieber Jürgen, lieber Frank, lieber Bernhard,
lieber Jörg, lieber Florian,
angesichts der Hochkarätigkeit und Breite des Adressatenkreises habe ich das Wichtigste dieses Beitrags (die Meta-Lehre zur Transformation 4.0 aus Berlin) nachfolgend in kursiver Schrift verdichtet, um ohne großen Zeitbedarf die Kern-Botschaft auszutauschen. Der nicht kursive Rest besteht dann ergänzend nur noch aus Kommentaren und Fußnoten für echte Liebhaber 😉
Vorweg: Berlin war großartig
Das Allerwichtigste vorweg: Berlin war großartig! Wer Ihren eröffnenden Vortrag, Herr Professor Dueck, oder das Abschlusspanel oder auch unsere Session zur digitalen APO in der Sohnschen Flaschenpost an die Zukunft anschaut, ahnt, wie energiegeladen, inspiriert und inspirierend dieser Tag war. Ein ganz herzliches Dankeschön an Sie Frau Mohn und Frau Riess, die Bertelsmann Stiftung und an das engagierte Team des Barcamps für diese Chance 4.0!
Auch für mich persönlich waren meine Sessions ein großer Gewinn:
Abb 0: Sessions „meines“ Barcamps Arbeiten 4.0
Ellen, in Deiner Session (Menschen, Orte, Technologien – Microsoft’s Trilogie zu …) haben wir nicht nur die 3 Gestaltungsebenen Mensch, Unternehmen, Gesellschaft „offen-strukturiert“ reflektiert (tolle Moderation!), ich habe für mich auch „3.0“ als essentielle Wertorientierung wiederentdeckt (Kotler!). Keine Kollaboration ohne integratives Sinn- und Wertversprechen! Wie passend übrigens, dass mit Frank Naujoks wenige Tage vorher „Out of Office“ geschenkt hat und der Ex-Microsoft-Chef nun Sattelberger-Nachfolger ist!
Abb 1: Drei Betrachtungs- und Gestaltungsebenen im Kontext Arbeiten 4.0
Stefan, Eure Session zu Barcamps in Unternehmen hat mit klar gemacht, wie selbst in Konzernen wie der Telekom kleine Formate große Wirkung haben und kulturwandelnd sein können, weil Herr Clemens beim Bier einfach der Reinhard wird. Das Top-Down-Wertversprechen wird ergänzt von der Bottom-Up-Erfahrung der gemeinsamen Wertschaffung. So schließt sich idealerweise der gemeinsame Wert-Kreis in partnerschaftlichen Netzwerk-Organisationen.
Abb 2: Barcamps im Unternehmen (u.a. als Kulturveränderer, s. Folie 13)
Katharina, Erik: Euer Vortrag machte ergänzend klar, dass „4.0“ aber mehr ist als nur „Soft Facts“ und neue Werte oder neue Führung. Arbeiten 4.0 bedeutet auch neue Technologien zu nutzen, um die Wertschöpfung neu zu definieren, z.B. durch Social Media Monitoring als Vertriebstool. Hier sollte in Zukunft die Arbeiten40-Community auch Themen wie neues Workforce-Management und neue Arbeitszeitmodelle (#Arbeitszeit40) für sich entdecken.
Ole, Stefan, die Schlussdiskussionen zur Zukunft waren zukunftsweisend, nicht nur für die Zukunft des Barcamps „Arbeiten 4.0“, sondern für die Zukunft der Transformation 4.0. Sie waren mit Basis meiner Meta-Lehre aus Berlin.
Wie wertvoll (Competence-) Networking auch außerhalb der Struktur ist, zeigten mit dann vor allem unsere Gespräche, Christian mit Dir auf der Dachterasse, und mit Euch, Jan und Julia, im Bordrestaurant der Bahn. Jetzt habe ich beschlossen, eigene „neue“ Führung als Notwendigkeit anzunehmen, Christian, und Jan, der Mittelstand mit neuer Veränderungsbereitschaft und dem „anders machen“ ist noch mehr mein Hoffnungsträger.
DIE Meta-Lehre zur Transformation 4.0 aus Berlin
Zugleich habe ich eine wichtige „Meta-Lehre“ aus Berlin mitgenommen, die über den Augenblick hinaus auch prägend für das Netzökonomie-Camp, die digitale APO und hoffentlich auch eine Competence-Site 4.0 sein könnte:
Nach „Berlin“ und dem Barcamp „Arbeiten 4.0“ ist es mehr denn je mein Glaube: Die Transformation 4.0 von Gesellschaft, Branchen, Regionen und Unternehmen gelingt dann und nur dann wirklich optimal bzw. effizient, effektiv und vor allem nachhaltig, wenn wir selbst „4.0“ werden bzw. denken und handeln und auch die heutigen Strukturen, Prozesse und Plattformen für die Transformation in Richtung 4.0 ausgerichten. Alles andere wäre auch inkonsequent („Eat your own dogfood!“).
Wie können wir denn überhaupt überzeugend die Ökonomie 4.0
und die dafür notwendige Transformation „propagieren“,
wenn wir selbst die Prinzipien 4.0 nicht repräsentieren und co-produktiv nutzen!
Wenn z.B. wesentlichen Köpfe der Transformation 4.0 keinen eigenen Twitter-Account besitzen oder die Plattform Industrie 4.0 immer noch eine statische Webseite ist, dann belastet ein solcher innerer Widerspruch zwischen Botschaft und Handel (Wein, Wasser, …) die Glaubwürdigkeit der eigenen Bemühungen.
Nun aber weiter zum Rest, den Kommentaren und Fußnoten ;-).
Einfache Gründe, warum wir 4.0 für 4.0 nutzen sollten
Nicht nur wegen des Einklangs von Botschaft und Handeln, sondern aus einfachen Gründen der Erfolgswahrscheinlichkeit macht ein Wandel der Transformationsgrundlagen in Richtung 4.0 Sinn. Weder die bisher etablierten „Strukturen“ wie ein Weltwirtschaftsforum in Davos oder jährliche Strategietreffen in den Unternehmen noch innovativere „Unstrukturen“ wie die re:publica oder Barcamps haben sich anscheinend als optimale Heilsbringer für die gewünschte Transformation Deutschlands in Richtung „digital“ bzw. „4.0“ bewährt (trotz z.B. mahnender Worte der Kanzlerin aus Davos).
Abb 3: Deutschland als digitales Schlusslicht?!
Egal welche Studien man zitieren möchte: In den seltesten Fällen werden Deutschland und deutsche Unternehmen als Vorbilder für die gelungene digitale Transformation bzw. Transformation 4.0 gelobt. Führende Köpfe wie Telekom-Chef Thimotheus Höttges sehen uns bei der Digitalisierung z.B. schon als die Verlierer der ersten Halbzeit (s. hier). Meine Überzeugung und die Überzeugung vieler anderer: Nicht in den Hinterzimmern der Geschäftszentralen in den Metropolen, aber auch nicht auf den vielen Spielwiesen („Sandkasten“, Ole Wintermann) in der Fläche, gewinnen wir bisher bereits erfolgreich die Schlacht um die Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft 4.0 mit ausreichender Wirkungsstärke und Geschwindigkeit.
Abb 4: Paradigmatische Optimierungen von 1.0 bis 4.0
Was können wir alternativ tun?
Wir müssen – wie von Jan gefordert – die Bereitschaft entwickeln, auch das Existierende „paradigmatisch“ „anders“ zu denken und zu gestalten. Nicht nur Jan sieht das so. Einstein wird gerne das Zitat zugeordnet, dass derjenige verrückt sei, der stets das Gleiche tue, aber ein anderes Ergebnis erwarte. Das gilt auch im digitalen Zeitalter. So reicht es nicht, eine Plattform Industrie 4.0 anderen Ministerien zuzuweisen, wenn sich ansonsten nichts ändert und weiterhin auf „klassische“ Lösungsansätze gesetzt wird.
Die Bereitschaft zur Andersartigkeit ist dann die Basis um die bisher noch weitgehend ungenutzte Chance 4.0 auch für die Transformation 4.0 zu nutzen. In „4.0“ ruht eine enorme latente bzw. noch ungenutzte Kraft (Kompetenz!) von Offenheit und Vernetzung („1.0“, „X.5“), neuer Anschlussbereitschaft und gemeinsamer Interaktion („2.0“), gemeinsamer Smartness und Wertorientierung („3.0“) und vor allem von wirklich co-produktiver Kollaboration im Netzwerk („4.0“). Diese Latenz bzw. dieses unerschlossene Potenzial gilt es endlich wirklich zu heben, damit der Erfolg gelingt.
Wir müssen dafür bisherige Transformations-Strukturen und -Maßnahmen weitgehend öffnen, anschlussfähig machen (z.B durch Hangouts, …) und vernetzen (statt Ministerien, Arbeitskreise und selbst Barcamps faktisch als geschlossene „Silos“ abzuriegeln) und durch die dann mögliche Co-Produktion in einem kollaborativen Eco-System die gewünschte Schlagkraft bei der Transformation sichern.
„Grau, alter Freund, ist alle Theorie“, auch hier war Goethe weise, daher ein Beispiel: Im Worst Case fährt man heute als motivierter Transformator z.B. zu einem Event „Arbeiten 4.0“, hört mit anderen, unbekannten Zuhörern von einem „Experten“ eine Frontal-Präsentation und nimmt vielleicht die ein oder andere Information für sich und die eigene Praxis mit. Dafür hat man u.U. einen ganzen Tag und zusätzlich Veranstaltungskosten investiert, aber ohne wirkliches Andocken an die eigene Transformationsaufgabe. Was früher einmal ausreichte, ist im neuen Zeitalter ungeeignet und so wundert es nicht, dass man nach Alternativen suchte und weiterhin sucht. Barcamps & Co sind ein Anfang der Transformation, der Wandel wird aber alle Strukturen umfassen und fundamentaler sein. In meinem Beitrag zu Events 4.0 habe ich daher gefordert, dass auch Barcamps weiter zu denken (zu öffnen, zu vernetzen, …) sind und alle alten Strukturen zu Plattformen 4.0 werden.
Wir müssen last, but not least dafür auch alte Antagonismen überwinden und die neue Diversität als „wert-voll“ feiern: Hier „Struktur/ Plan“, da „Agilität“, hier „Establishment“, da „Revolutionäre“ hier „Top-Down“, da „Bottom Up“, hier „Old School / Analoge“, da „New School / Digitale“. Die Netzwerke und Networkings 4.0 werden nur optimal gelingen, wenn wir die jeweiligen Stärke verbinden und z.B. (partielle) Voraussicht und Koordination mit der Stärke von Opportunität und Reagibilität kontextadäquat kombinieren.
Abb 5: Die Berliner Repräsentanz als Plattform für die digitale APO?!
Berlin und das Barcamp Arbeiten 4.0 als Vorbild
Berlin selbst war hier in weiten Teilen vorbildlich.
Dass das Barcamp zum Thema Arbeiten 4.0 in der würdigen Repräsentanz von Bertelsmann stattfand, wurde von Teilnehmern bereits als ein Anfang eines Zusammenwirkens von „Establishment“ und „Revolutionären“ empfunden. Einige Teilnehmer betonten sogar explizit, dass sie das erste Mal in der Berliner Repräsentanz von Bertelsmann (als Hochburg des „Establishments“) gewesen seien!
Zudem zeigte sich in Berlin, dass die oben genannten 4.0-Prinzipien wie Offenheit, Vernetzung, Interaktivität / Kundenindividualisierung, Ergebnisorientierung und echte Kollaboration (Co-Edit) bereits gelebt werden. Hier überzeugte u.a.,
dass das Barcamp durch ein vorgeschaltetes Session-Management (Vorschlag von möglicher Sessions, Abstimmung möglicher Teilnehmer) und einen begleitenden Blog in den Wochen zuvor perfekt vorbereitet wurde. So wurde aus einem Event ein kontinuierlicher Prozess!
Abb 6: Barcamp „Arbeiten 4.0“ im Netzwerk kollaborativer Maßnahmen
dass nun gemeinsam bzw. kollaborativ ein Papier zu „Arbeiten 4.0“ in nachgelagerten Arbeiten erarbeitet wird. Die Forderungen der Teilnehmer gingen sogar darüber hinaus. Sie wünschten sich eine nachhaltige Transformations-Community zu „Arbeiten 4.0“.
dass schließlich eine Vernetzung mit anderen Veranstaltungen und Netzwerken angestrebt wird. Arbeiten 4.0 ist eine Mission der Bertelsmann Stiftung, zugleich arbeiten viele andere Player an diesem Thema. Die Zukunftsinitiative Personal (SAP, Kienbaum, Begis, VEDA, …), deren Sprecher ich bin, beschäftigt sich mit dem Thema aus der Sicht der Personaler, im VDMA beschäftigt sich eine Gruppe von Mitgliedern um den Vorstandsvorsitzenden des Softwarefachverbands mit Industrie 4.0 Human! Hier bieten sich enorme Synergie-Chancen, wenn wir alle mitnehmen wollen.
Abb 7: Gemeinsames Nachdenken über Zukunft (Quelle Barcamp Arbeiten 4.0)
Es hängt aber von uns ab, ob dieser Anfang und andere Anfänge zum wirklichen Erfolg für (Arbeiten) 4.0 im Sinne eines breiten Bewusstseins- und Strukturwandel werden oder „nur“ implodieren im Sinne z.B. eines weiteren Arbeitspapiers ohne Breiteneffekt (was als Baustein wichtig ist, aber nicht Gesamtergebnis sein kann).
Eine Master-Architektur für die Transformation 4.0
In Abb. 4 ist daher als Vorschlag „das große Bild“ (neudeutsch Big Picture) der Architektur für die Transformation 4.0 gemalt, das noch größer und vielleicht sogar verständlich wird, wenn man darauf klickt. Dabei wird die Gesellschaft 4.0 dual organisiert und technologisch unterstützt durch:
offene, vernetzte, … und koproduktive „Networks 4.0“ als Basis für die Nachhaltigkeit der Gesellschaft 4.0. Sie bringen langfristig alle relevanten Akteure in Kompetenz-Netzwerken zusammen.
offene, vernetzte … und ko-produktive „Networkings 4.0“ als Basis für die Agilität der Gesellschaft 4.0. Sie organisieren aufgabenorientiert Teams
öffnende, vernetzende, … und Kollaboration ermöglichende Plattformen für die 4.0. Sie sind der technologische Träger für Networks und Networkings 4.0.
Die gewünschte „Community“ zum Barcamp 4.0 findet sich dort ebenso (als Network 4.0) wie die Vernetzung mit den anderen Veranstaltungen und Aktivititäten im Umfeld 4.0 (als Networkings 4.0). In diesem Zielszenario öffnen und vernetzen sich alle relevanten Basis-Organisationen und arbeiten auf der Basis der Plattformen 4.0 und der virtualisierten Strukturen synergetisch an den notwendigen Transformations-Maßnahmen.
Abb 8: Masterarchitektur mit Networks, Networkings und Plattformen 4.0
Konsequenzen und Masterpläne 4.0 für das Camp, die ZiP, die digitale APO
Diese Architektur der Ökonomie 4.0 bzw. der Competence-Networking-Ökonomie im Detail zu beleuchten, würde hier zu weit führen, ist aber (am Rande) wieder Inhalt des nächsten Events 4.0 zum Netzökonomie-Camp am kommenden Sonntag, den 7. Juni, wo wir über die Dialogunfähigkeit zwischen Netzgemeinde und Wirtschaft sprechen werden, und diese Dialogunfähigkeit im Dialog mit Ihnen, Herr Reichardt, aufheben wollen 😉 Sie haben als IHK Hauptgeschäftsführer in Köln schon viel in diesem Sinne bewegt, nicht nur im Rahmen von Digital Cologne. Auch unsere potenzielle Kooperation mit Ihnen, Digital Cologne und der IHK zeigt den „paradigmatischen“ Wandel Ihres Tuns.
Video 2: Session zur „digitalen APO“ beim Barcamp „Arbeiten 4.0“
Wir wollen auch darüber sprechen, welche Konsequenzen das „Paradigma 4.0“ für unsere Aktivitäten im Rahmen des Netzökonomie-Camps hat, bei dem wir ganz konkret den Dialog realisieren wollen. Was lernen wir gemeinsam aus Berlin und wie sichern wir den Transformationserfolg „unserer“ „Maßnahme“ bzw. „unseres“ „Camps“ durch ein konsequentes „Denken und Handeln 4.0“?
Das Netzökonomie-Camp muss – das ist meine Überzeugung – wie das Barcamp „Arbeiten 4.0“ mehr als nur ein JAB („Just Another Barcamp“) sein. Es muss ein Event 4.0 sein, das über seine lokale und zeitliche Begrenzung hinaus gedacht, gestaltet und wirksam wird. Entgrenzt und vernetzt wird das Netzökonomie-Camp zum Netzwerk von Maßnahmen, das potenziell überall und jederzeit sein kann, u.a. in diesem Blog (mit 13 ersten Followern, Dein Follow hier) und dieser Facebook-Seite (mit 160 ersten Followern, Dein Follow hier), aber auch in jedem anderen kollaborativen Kontext.
Erweiterte Strukturen 4.0 als potenziell kollaborative Hülle aber reichen nicht aus. Wir müssen uns zugleich im Rahmen eines offenen und kollaborativen (aber dennoch koordinierten ;-)) „Masterplans 4.0“ eine Menge Fragen stellen:
Welche Networkings 4.0 vor, während und nach dem Event haben in der Gesamtwirkung die höchsten Impacts? Welche Blogbeiträge und -autoren machen im Rahmen unserer vorlaufenden Blogparade Sinn, welche gemeinsamen Hangouts planen wir, welche Veröffentlichungen bei der Huffington Post, TheEuropean, im IHK Magazin, welche „Hosted Events“ real oder virtuell wollen wir bei Partnern unterstützen, wie gelingt dann die Themenfindung zum Event, was ist das Ergebnis des Events, wie unterstütizen wir die Transformation im Kontext der Teilnehmer nach dem Event, …
Welche Networks 4.0 sind dafür relevante „Kollaborateure“ für unsere Transformations-Community? Wie vernetzen wir uns (Herr Reichardt) insbesondere mit dem Mittelstand? Welche Rolle sollten IHKs und Verbände (VDMA,. …) generell spielen? Wen laden wir aktiv ein, um davor, währenddessen und danach mit dabei und vor allem im Janschen Sinne wirklich ko-produktiv mitzuwirken? Welche Organisationen repärsentieren ideal die Transformations-Anstrengungen und könnten Leuchtturm sein (Telekom, Microsoft, Bertelsmann, Haufe umantis, …), …
Welche Plattformen 4.0 nutzen wir synergetisch? Competence Site, Facebook, WordPress, XING, Weltwirtschaftsforum, Goldene Jungs (Kölner Lokal-Netzwerk, nicht ernst gemeinter Vorschlag), …
Man sieht: Am Sonntag sollte es nicht langweilig werden. Bitte gut vorbereitet (s. Frageblöcke 1-3) und im Casual-Look erscheinen 😉 (auch als „Zuschauer“, bzw. lieber noch als Kollaborateur „vor den mobilen und stationären Bildschirmen“ wie Gunnar zu sagen pflegt).
Diese Fragen stellen sich aber so nicht nur beim Netzökonomie-Camp. Eine solche Ausrichtung in Richtung 4.0 halte ich nun mehr denn je auch für unsere Zukunftsinitiative Personal (SAP, Kienbaum, Begis, Veda, Atoss, …) für sinnvoll. Im Rahmen meines letzten Competence Reports hatte ich sie schon gefordert. Auch wir als ZiP müssen uns die oben genannten Fragen stellen, um einen optimierten Dialog zum „Personalmanagement 4.0“ zu realisieren, z.B. im Rahmen einer kreativ erweiterten Kooperation mit der Messe und dem BPM.
Abb 9: Die ZiP auf dem Weg zum Dialog mit der Branche
Last, but not least stellen sich diese Fragen auch im Rahmen Ihrer „digitalen APO“ bzw. Ihrer cross-sektoralen Allianz (ZAAG), lieber Herr Sattelberger.
Die außerparlamentarische Opposition sollte eine außerparlamentarische Organisation sein, die sich eben nicht über die Opposition definiert, sondern den Wandel als Anstruktur mit unterstützt, damit er bottom-up und top-down und cross-sektoral gelingt und die bisherigen geschlossenen Pforten der Deutschland AG wie aber auch der Netzgemeinde (in Richtung Mittelstand) überwunden werden. Und diese außerparlamentarische Organisation sollte eben nicht auf frustrierte Soziologie-Studenten und Straßenkämpfer, sondern auf engagierte Köpfe aus dem Mittelstand, auf Start-Ups und allen anderen gutwilligen “Digitalen” und “Analogen” setzen. Lieber Thomas Sattelberger, meine Hoffnung ist, dass Ihre APO und Ihre Allianz unserer aller APO und unserer aller Allianz werden können und auch so den Anforderungen der „Berliner Lehre“ genügen, indem sie konsequent auf “digital” und “4.0” setzen.
Abb 8: Sie halten nicht die Klappe, Herr Sattelberger, und das ist gut so!
PS: Selbstkritisches zur Competence Site als Plattform 4.0
Vor 15 Jahren sollte die Competence Site aus der Fraunhofer-Gesellschaft heraus als Plattform 4.0 und als Tochter eines Medienkonzerns bzw. dann eines Telekommunikationskonzerns realisiert werden. Statt einer Competence Site 4.0 realisierten wir nur aber eine Competence 0.5. Fraunhofer-Mitarbeiter scheiterten also nicht nur prominent bei MP-3, sondern auch unbemerkt auf anderen Zukunftsprojekten ;-). Wir arbeiten aber trotz allem daran, dass wir das in the longt run ändern. Die Zeit war nie reifer als jetzt, Jörg und Florian.
PPS: Nicht nur bierernst, mehr Socke und Schuh wagen!
Bei so ernsten Themen darf eins nicht vergessen: Berlin war auch ein Vergnügen jenseits „4.0“ in der ganz normalen realen Welt. Liebe Frau Mohn, Sie haben Recht/recht: Nichts kann den persönlichen Kontakt ersetzen. Stephan und Julia, durch Euch weiß ich jetzt z.B.nach 30 Jahren mit schwarzen Schuhen und schwarzen Socken, dass man mehr Socke und Schuh wagen kann.
Manchmal ist es schon erschütternd, wie die eigenen Prognosen von der Realität überrollt werden. So schreibt der Tagespiegel, dass bei der vierten industriellen Revolution, die die Bundesregierung zum Vorzeigeprojekt für die vernetzte Ökonomie aufziehen wollte, nicht mal ein Revolutiönchen rausspringt. Das Projekt Industrie 4.0 werde zerrieben zwischen SPD-Minister Gabriel und CDU-Ministerin Wanka. „Die USA schaffen derweil Tatsachen und lassen Deutschland weit hinter sich“, schreibt der Tagesspiegel.
Die USA sind dabei, auch bei der vernetzten Industrie Trendsetter zu werden, warnt Franz Eduard Gruber, Gründer und Chef der Software-Firma Forcan, die sich auf die Steuerung von Maschinen spezialisiert hat. Die Amerikaner haben nach seinen Erfahrungen erkannt, dass die Standardisierung in der Kommunikation von Maschinen und Sensoren entscheiden ist.
„Wer den Standard definiert, der definiert, in welche Richtung der Weltmarkt künftig läuft“, so der ehemalige SAP-Manager auf einer Fachtagung des…
Dann wird vielleicht auch dem Mittelständler im schönen Westerwald, dem Kommunalpolitiker in Buxtehude und dem Wissenschaftler am Overhead-Projektor an der Uni Koblenz klar, was passiert, wenn man sich nach außen vernetzt. Alles, was analog ist, bekommt an irgendeiner Schnittstelle den Zugang zur binären Logik. In unserem eigenen Haus habe ich das schon längst umgesetzt, da es immer noch keine umfassenden Vernetzungskonzepte für die eigenen vier Wände aus einer Hand gibt. Unsere alte Yamaha-Musikanlage – der unkapputbare Verstärker stammt noch aus meiner Uni-Zeit in den 1980er Jahren – ist beispielsweise mit dem Airport von Apple verdrahtet und spult alles herunter…
Maschinenbauer, Schraubenhersteller und auch eine Vorzeigefirma wie Würth glauben nach wie vor, dass ihre Geschäftsmodelle den persönlichen Austausch bedingen. Ihre Leistungen würden online nicht funktionieren, lautet ein typischer und reflexartiger Satz von Industrievertretern.
„Das kollidiert doch mit der Welt, in der ich die Netflix-Aufladekarte mittlerweile an der Penny-Kasse bekomme oder meine Schrauben günstiger bei Amazon bestellen kann“, sagt Marco Petracca, Berater für B2B-Markenführung.
Netzszene muss praxisrelevante Vorschläge machen
Diese Welt ist dem Mittelstand fremd. Genauso fremd sind der Netzszene praxisrelevante Lösungsvorschläge, um Änderungen zu bewirken.
Der blinde Fleck in der Digitalisierung liegt also nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch an der Mangelhaftigkeit der netzökonomischen Kompetenz von digitalen Diskursen. Wir sollten also weniger über die digitalen Vorzeigeprojekte von Red Bull, Coca Cola & Co. sprechen oder stupides Online-Marketing-Blabla durch die Gegend pusten, sondern über handfeste digitale Strategien für Firmen wie EDAG Engineering in Fulda…
„Wir müssen gegen die Vorstellung der Traditionalisten argumentieren, die meinen, dass es sich bei den Folgen der Digitalisierung allein um eine Skalierung oder lineare Fortschreibung vorhandener Prozesse handeln würde.Es herrscht im Einklang damit ein relativ großes Unverständnis über die Bedeutung der digital ermöglichten Disruption und ihre Bedeutung für angestammte Tätigkeitsfelder eines Unternehmens oder auch einer Institution. Die Gesellschaft der zwei Geschwindigkeiten findet sich zunehmend auch innerhalb von Unternehmen. Die von Zuckerman beschriebene Systemkrise infolge von steigendem Misstrauen dürfte als Nächstes die Unternehmen treffen. Arbeiten 4.0 widerspricht systematisch (da dezentral, kreativ, flach, netzwerkbasiert, multikausal) dem in der deutschen Industrie sehr stark verankerten Ingenieurs-Denken. Dieser Widerspruch dürfte für Deutschland bald zum Problem werden. So wie…
In einer digitalen Welt gibt es unendlich viele Kombinationen für neue Dienste und Produkte, die selbst die Big Data-Analysten nicht antizipieren können – auch wenn sie noch soviel Datenschrott sammeln. Es gibt zu viele Variablen, weil immer auch unvorhersagbares menschliches Verhalten eine Rolle spielt. Oder wie es Douglas North, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, ausdrückt:
„Der Preis der Präzision (von theoretischen Modellen, gs) ist die Unfähigkeit, Fragen des realen Lebens zu behandeln.“
In den netzökonomischen Diskursen sollte man mehr auf Sicht fahren und überlegen, wie man die amerikanischen Plattformen für das eigene Business nutzen kann. So kehrt man das parasitäre Gedankengut der kalifornischen Monopolfetischisten ins Gegenteil. Parasiten, Hacker, Daten-Piraten, Wissensdiebe, Kopisten und Collage-Künstler können in diesem Spiel höchst nützliche Zeitgenossen sein. Sie stören die Monopolisten.
„Die Macht suchte und sucht das Zentrum einzunehmen. Wenn sie von diesem Zentrum aus wirken, ihre Wirksamkeit bis an die Grenzen des Raumes entfalten, wenn sie bis an die Peripherie reichen soll, so ist es notwendig, dass es kein Hindernis gibt, dass der Raum um ihre Aktion homogen ist. Kurz, der Raum muss frei von Rauschen, von Parasiten sein. Um Gehorsam zu finden, muss man gehört, muss man verstanden werden, muss die Ordnungsbotschaft Stille vorfinden“, schreibt der Philosoph Michel Serres in seiner Abhandlung „Der Parasit“.
Parasiten stören die Stille. Das ist uns übrigens schon einmal perfekt gelungen. Besonders die deutsche Industrie, konnte ihre Rückständigkeit Ende des 19. Jahrhunderts nur durch kluge Imitation kompensieren.
„Wie heute die Chinesen, haben damals deutsche Maschinenbauer ausländische Erfolgsmodelle in großem Stil eingekauft: Sie zerlegten die Maschinen in England und bauten sie im Siegerland oder im Schwäbischen neu auf. Durchs Nachmachen zu Erfahrung gekommen, haben die Deutschen sodann ihre Maschinen billig ins Ausland verkauft“, berichtet Rainer Hank von der FAZ.
Er verweist auf ein besonders dreistes Kopistenwerk in Solingen. Dort wurden minderwertige Messer aus Gusseisen hergestellt und mit dem Stempelaufdruck „Sheffield“ veredelt – das galt damals als Markenzeichen der englischen Messerproduktion.
„Ironie der Geschichte: Als Abwehrmaßnahme zwang England Deutschland das Label ‚Made in Germany‘ auf, damit man die mindere Ware erkennen sollte. Aber den Deutschen gelang es, das Stigma zum Qualitätssiegel umzuschmieden“, so der FAZ-Redakteur.
Degradieren wir die Silicon Valley-Aufschneider zu nützliche Idioten einer Ökonomie, die mehr Zugänge und Kompetenzen für wirtschaftliche Aktivitäten liefert.
In Deutschland und Europa muss man Strategem-Kompetenzen aufbauen – nicht zu verwechseln mit Strategie.
“Strategem ist ein anderes Wort für ‘List’. Unter Strategie verstehen Manager üblicherweise ‘langfristige Planung im Hinblick auf die grundsätzlichen Unternehmensziele’, im Gegensatz zur Taktik im Sinne von kurzfristiger Ziele”, so der Sinologe Harro von Senger, ein Kenner der chinesischen Strategem-Lehre.
List wird in der westlichen Welt häufig mit Täuschung gleichgesetzt. Von dieser Verengung sollten sich westliche Führungskräfte lösen, fordert Senger und verweist auf die beste chinesische Umschreibung von List:
“Etwas Außergewöhnliches erzeugen, um den Sieg zu erringen.”
List ist also eine schlaue, außergewöhnliche verblüffende Problemlösung. Täuschung spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Wenn sie zur Anwendung kommt, dann eher als Bluff, wie beim Pokern.
In der Wirtschaftswissenschaft wird neben der Netzökonomie auch dieses Thema völlig ausgeblendet, obwohl die Wirtschaft ein idealer Nährboden für die Anwendung von Strategemen ist wegen der zahlreichen Informations-Asymmetrien und der zunehmenden Unordnung des wirtschaftlichen Geschehens durch digitale Innovationen. Bei den Apologeten einer Theorie des rationalen Verhaltens gibt es keinen Platz für listenreiches Handeln.
Was könnte von den 36 Strategemen im Wettbewerb mit den kalifornischen Technologie-Konzernen zur Anwendung kommen? Beispielsweise das Strategem Nr. 7: Aus einem Nichts etwas erzeugen.
“Das nicht ist kein Vakuum, sondern zum Beispiel eine Mücke, aus der man einen Elefanten macht oder eine verrückte Idee, die sich als Goldgrube erweist”, erläutert Senger.
Es gehe dabei vor allem um einen Kreativitäts-Wettstreit. Man überflügelt die Konkurrenz dank kühner, in Leeräume der Forschung und Entwicklung vorstoßender Ideen und mit phantasievoll-schöpferischem Vorausdenken anstelle eines Nachdenkens, das sich nur vom Alltagstrott treiben lässt.
“Weltübergreifende geistige Offenheit und vernetzendes Denken sind gefragt”, fordert Senger.
Dabei ist vor allem neues Denken gefragt:
„Viele der heutigen digitalen Systeme und Köpfe sind aus dem alten Geist sowie den alten Strukturen geboren. Die kann man morgen in die digitale Tonne treten. Das heisst aber, wer ‚digital‘ propagiert, ohne dem Digitalen eine Richtung zu geben, propagiert in IT gegossene Alt-Scheiße“, kommentiert Netzökonomie-Campus-Kollege Winfried Felser
Die alten Wertkonzepte (Kostenrechnung) und die alten Planungslogiken seien ungeeignet, wenn nicht mehr abgegrenzte und starre „materielle“ Systeme geplant und bewertet werden sollen, sondern fluide, amorph-vernetzte Kompetenz-Netzwerke, bei denen auch nicht mehr nur Transformation und Transaktion zu beleuchten sind, sondern Competence-Networking im weitesten Sinne.
Viel Stoff für den heutigen Netzökonomie-Campus mit Käsekuchen ab 16 Uhr.
Ihr könnt Euch an der Diskussion mit dem Hashtag #nöchn beteiligen. Man hört, sieht und streamt sich 🙂