#vdav eprivacy-Richtlinie der EU realitätsfern und undurchführbar

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Die EU-Kommission hat am 10. Januar 2017 den Entwurf einer Richtlinie zum zukünftigen Umgang mit personenbezogenen Daten in der elektronischen Kommunikation vorgelegt – die eprivacy-Richtlinie vorgelegt.

„Mit Art. 15 des Entwurfs haben die Brüsseler Experten allerdings Regelungen formuliert, die nicht nur vollkommen an der Realität vorbeigehen, sondern auch schlicht undurchführbar sind“, so der Verband Deutscher Auskunfts- und Verzeichnismedien (vdav).

Informationspflichten über die Eintragungen in Kommunikationsverzeichnissen wie Telefonverzeichnissen sollen den Verlegern oder Auskunftsbetreibern auferlegt werden.

„Dass diese in der Regel keinen Kontakt zu den Personen haben, die dort gefunden werden möchten und schon aufgrund anderer datenschutzrechtlicher Vorschriften gar keinen Kontakt zu diesen aufnehmen dürfen, haben die Brüsseler schlicht übersehen“, kritisiert der vdav.

Würde Artikel 15 in der vorgelegten Form Rechtskraft erlangen, wäre dies nicht nur das Aus für Kommunikationsverzeichnisse mit den Kontaktdaten Privater wie Das Örtliche oder Das Telefonbuch, sondern auch für die Telefonauskunft. Dies nicht nur in Deutschland, sondern europaweit…

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Ideen für den Netzökonomie-Campus – also für die Käsekuchen-Diskurse #NEO167x

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Vor ein paar Wochen hatten wir eine Ideen-Runde für die netzökonomischen Käsekuchen-Runden, die wir in nächster Zeit organisieren wollen.

Hier die Vorschläge von Wilhelm Unrau, die man unter die Bilanzierung des Staates zusammenfassen kann:

1. Die Rechnungslegung der öffentlichen Hand muss nach dem Bilanzprinzip erfolgen. Das schließt eine Art GuV insofern ein, als eine auf Investitionsprojekte bezogene Rentabilitätsbetrachtung erfolgen muss.

2. Investitionen generieren Renditen und tragen ihre Kosten. Insofern ist es nicht egal, wofür die öffentliche Hand Geld ausgibt. Es muss unterschieden werden zwischen konsumtiven und investiven Ausgaben.

3. Es gibt Bereiche, in die Private nicht (oder noch nicht) investieren: Infrastruktur, Grundlagenforschung, Bildung und allgemein Kunst Kultur Kommunikation (nicht Telefon). Investitionen in diesen Bereich sind vorzunehmen, auch bei existenter Staatsverschuldung. Die tatsächliche Rendite muss kontrolliert werden. Mischformen von privater und öffentlicher Investition sind zu prüfen, auch die Frage der rein privaten Finanzierung.

4. Eine Bilanz der öffentlichen Hand erst kann den tatsächlichen Verschuldungsgrad feststellen.

5. Wir leben in Zeiten eines großen Wandels vergleichbar dem des Überganges von der Agrar zur Industriegesellschaft. Őffentliche Investitionen sollen die Bereiche fördern, die in mittlerer Frist sinnstiftende Betätigungen bieten, deshalb Kunst, Kultur, Kommunikation, was auch ein Umdenken im Bildungswesen erfordert, weg vom Bologna-Modell, hin zur Förderung von Kreativität, Phantasie, Intelligenz – deutlich nicht nur in Mathematik und technischer Wissenschaft

So, das wären die entscheidenden Punkte für mich bzw die Themen, an denen ich arbeite.

vielleicht noch

6. Wertschöpfungsketten lassen sich auch im Bereich Kunst, Kultur und Kommunikation in Gang setzen. Schon heute arbeiten in der Kreativwirtschaft mehr Menschen in Deutschland als in der Automobilindustrie.

7. Um die Schnittstelle von Ökonomie und Politik deutlich zu machen, sollten wir wieder von der Politischen Ökonomie reden.

Soweit die Vorschläge von Wilhelm.

Von meiner Seite gab es ja eine Kolumne zur Ideen-Runde zum Thema: Wie gerecht ist die Netzökonomie?

Darüber denkt in der digitalen Technologieszene kaum einer nach. Umso mehr müsste sich die Wirtschaftswissenschaft mit diesen Fragen beschäftigen, fordert Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts.

Die Ökonomik sollte etwas zu möglichen und wünschenswerten Szenarien in der Zukunft sagen. Sie muss wieder Möglichkeitswissenschaft werden: Wie könne eine Ökonomie aussehen, die die Produktivitäts­fortschritte der Informationswirtschaft für einen Wohlstand nutzt, der bei möglichst vielen Menschen ankommt?

„Sind Postwachstums­gesellschaften denkbar, die dennoch eine hohe Lebensqualität für zehn Milliarden Menschen innerhalb der planetaren Grenzen schaffen? Wie sehen Perspektiven für einen zeitgemäßen Kapitalismus aus? Ein solches Zielwissen ist normativ, die zugrunde liegenden Normen bedürfen der Explizierung und der Begründung“, so Schneidewind.

In der Wirtschaft geht es immer um Wertentscheidungen. Jeder ökonomische Formelkonstrukteur ist gefordert, seine Weltsicht zu erklären. Das gilt auch für jene, die auf Bühnen über die Notwendigkeit der Digitalisierung schwätzen, aber sich in Wirklichkeit hinter Begriffskaskaden verstecken. Die Keynote-Dauerredner sprechen von Digitaler Transformation, Digitalem Darwinismus (sozusagen die Donald Trump-Variante des Business-Darwinismus), Disruption oder Innovation, erläutern aber nicht, welche Programmatik dahinter steckt.

„Wenn wir wirklich eine inklusive, nachhaltige und verantwortliche Gesellschaft und Ökonomie wollen, müssen wir unsere Bilanzen und Logiken ändern. Ich halte das für fundamental. Was sind die grundlegenden Paradigmen und Theorien der Ökonomie? Die sind implizit normativ. Am Ende ist Digitalisierung kein Selbstzweck. Es gibt auch keinen Determinismus (die Anschauung, dass alle Ereignisse im Voraus festgelegt sind und es keinen freien Willen gibt, Anm. des Autors). Wir haben gestalterische Freiheiten. Wohin führen unsere Denkansätze?“, fragt sich Winfried Felser im Netzökonomie-Campus-Gespräch.

Dazu passt auch das Thema: Offene Demokratie-Diskurse mit Unternehmern und Managern? #PeterDrucker

Höchst spannend finde ich auch die Forschungsarbeiten zur Narrativen Ökonomie, die der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert J. Shiller im Januar vorgetragen hat.

Christian Bartels schickte mir folgende Vorschläge:

1. Brian Solis: Build Platforms, Not Just Products
2. Startups – der Link zum Business
3. Bildung: Digitalisierung an Schulen und eine mögliche Unterstützung für die Lehrerschaft
4. CX: The Human on the Other Side of the Screen (Brian Solis)
5. Amazon Dash Button, Amazon Echo – Google Home, etc.: Auswirkungen im Retail, live@home, Datenschutz, etc.

Die anderen Teilnehmer könnten ja noch was zu Papier bringen und in eigenen Blogs oder auf Facebook publizieren. Ratschlag: Selbst die Initiative für den Käsekuchen-Diskurs übernehmen, ein Thesenpapier formulieren und mit uns einen Termin festlegen.

Die nächste Käsekuchen-Runde machen wir wieder in Bonn in meiner Bibliothek in der Ettighoffer Str. 26a, 53123 Bonn. Am Freitag, den 24. März, um 16 Uhr (Käsekuchen wird ab 15 verspeist, 16 Uhr startet der Livestream). Thema: Wie neureicher Vulgär-Kapitalismus die Netzökonomie beherrscht – Welchen Wertekanon streben wir in der Digitalisierung an?

Das passt zur politischen Ökonomie von Wilhelm Unrau und zu den Aussagen von Winfried Felser. Es passt auch zum Demokratie-Diskurs auf den Spuren von Peter Drucker.

Anmeldungen via Facebook-Eventseite.

#MWC17 Unternehmen der Telekommunikation weiter in der Zwickmühle – Netzausbau ist teuer, Datengeschäft machen andere

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TK-Experte Roman Friedrich TK-Experte Roman Friedrich

Obwohl die Telekommunikationsunternehmen ihre Netze ständig auf- und nachrüsten, um das wachsende Datenvolumen transportieren zu können, gehen die Umsätze und Margen kontinuierlich zurück.

„Damit die Telekommunikationsbranche ihre Aufgaben weiter erfüllen kann, müssen sich die Unternehmen der Branche neu erfinden“, sagt Roman Friedrich, Experte beim Beratungsunternehmen AlixPartners, im Vorfeld des Mobile World Conference in Barcelona.

Dabei sei es nachrangig, welche und wie viele Mehrwert-Services sie zusätzlich anbieten. Zunächst gehe es um die „Restrukturierung“ und Digitalisierung ihres Kerngeschäftes – als Grundlage für mögliche weitere digitale Dienste.

Weltweit hat der Datenverkehr heute pro Sekunde ein Volumen von rund 25 Terabytes, also 25.000 Gigabytes. Bis 2020 wird das voraussichtlich auf 60 Terabytes anwachsen. Bei 25 Milliarden vernetzten Objekten im Internet der Dinge wären es jede Sekunde sogar 125 Terabytes. Pro Jahr steigt der Datenverkehr im Festnetz in den nächsten Jahren um 21 Prozent, bei den mobilen Daten sind es sogar…

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Offene Demokratie-Diskurse mit Unternehmern und Managern? #PeterDrucker

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peter-drucker

„Chefs dürfen zur Politik nicht schweigen“, fordern Peter Paschek, Unternehmensberater und Dozent an der Technischen Universität München, und Winfried Weber, Professor für Management an der Hochschule Mannheim, in einem Gastbeitrag für die FAZ. Sie berufen sich auf den Management-Guru Peter Drucker (beide Autoren sind Gründungsmitglieder der Peter Drucker Society of Mannheim e.V.), der davon überzeugt war, dass

Zumindest heute würde die Erkenntnis wachsen, dass erhebliche Anstrengungen erforderlich sind, um den politischen Humanismus westlicher Prägung und den darauf basierenden demokratischen Rechtsstaat zu fördern, weiterzuentwickeln und gegebenenfalls zu verteidigen.

„Seine Institutionen sind gefährdet, da ihre Legitimität in Frage gestellt wird. Dieses nicht nur von politischen Gruppierungen, die heute unter dem Sammelbegriff Populisten kategorisiert werden. In Frage gestellt wird sie auch aufgrund ihrer eigenen Erstarrung. Es reicht nicht aus, die Besinnung auf die christlich-abendländischen Werte zu fordern, um dann zur Tagesordnung überzugehen. Werte sind geschichtlich gewordene Strebensziele, die zur Diskussion gestellt werden…

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Transkription (nicht nur) für Podcast-Produktionen – Speech-To-Text von #Auphonic ausprobiert #NEO17x

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KäsekuchenAuf journalist.de hatte ich ja bereits berichtet über die diversen Dienste, die in diesem Jahr die Spracherkennung auf eine neues Niveau heben wollen. Besonders nützlich erscheinen mir dabei die Programme für die Verschriftung von Audio-Aufnahmen – etwa um Podcast-Folgen für Suchmaschinen besser aufarbeiten zu können. Auphonic hat da etwas Nettes gebastelt und bereits der Podcast-Community vorgestellt.

Nun habe ich einfach mal die Zusammenfassung unserer netzökonomischen Käsekuchen-Runde vom Wochenende über Speech-To-Text-Funktion von Auphonic laufen lassen.

Hier ist das nicht korrigierte Ergebnis – für ein Kostenlos-Tool ein gutes Ergebnis, mit dem man sehr schön weiter arbeiten kann. Es war ja ein Live-Hangout mit zehn Leuten in sehr unterschiedlicher Tonqualität.

Campus Ideen
2017
Transcript
[0:00] Ich bins mal wieder da ich sag mal Blogger Gunnar Sohn in einer größeren Runde haben wir uns bei einem live Hangout darüber Gedanken gemacht welche Themen dir,
in diesem Jahr beim Netto, schon Käsekuchen Discos belegen wollen…

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Die vernetzte Kuh

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My beautiful picture

Google-Chefökonom Hal Varian bezeichnet die vernetzte Ökonomie auch als kombinatorischen Wettbewerb. Ob Dampfmaschine, Telegraf, Telefon oder Transistoren – immer wieder werden Technologien erfunden, deren Komponenten sich vielfältig miteinander verbinden lassen, um neue Produkte und Dienste hervorzubringen.

„Der Unterschied heute ist, dass diese Möglichkeiten praktisch unbegrenzt sind, denn es gibt keine physischen Grenzen“, so Varian.

Etwa bei der Präzisions-Landwirtschaft – neudeutsch auch Precision Farming genannt.

„Beim Ackerbau wird nicht mehr konstant gedüngt, sondern nur noch punktuell nach dem Bedarf der Pflanzen“, erläutert Antje Krieger, Marketing-Managerin von Agri Con.

So kann über Bodenanalysen der Stickstoff-Bedarf genau ermittelt werden. Die Traktoren ziehen dann über GPS automatisch ihre Bahnen, ohne dass der Fahrer lenken muss. Die Vermessung des Feldes liegt in der Computerwolke.

Die Vorteile skizzierte auch Gerald Maatmann, Jungbauer in der Grafschaft Bentheim. Früher wollte er seine 80 Kühe über Excel verwalten.

„Eine Kuh produziert Daten und die möchtest Du natürlich sofort eingeben…

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Die Tautologien der digitalen „Avantgarde“ #NEO16x

Mitmachen bei der #NEO16x am 1. und 2. Dezember
Mitmachen bei der #NEO16x am 1. und 2. Dezember

Der Kölner Soziologe Klaus Janowitz hat sich der Herkules-Aufgabe gewidmet, in der vernetzten Welt für etwas mehr Klarheit zu sorgen. Erinnert sei an seine Überlegungen zur Hashtag-Ökonomie als Gegenentwurf zur durchorganisierten Gesellschaft. Es geht dabei um Verbindungen von Neigungen und Interessen, um vernetzten Individualismus fernab von Reports, Indikatoren, Kennzahlen und Excel-Tabellen, die nur Ausdruck der Hilflosigkeit in einer vernetzten Welt sind.

Besonders beim Gemurmel über die „Digitale Transformation“ findet Janowitz eine Menge heiße Luft, etwa im Buch der so genannten Digital Darwinisten Karl-Heinz Land und Ralf Kreuzer:

„Mit dem Begriff digitale Transformation wird der zielgerichtete Einsatz von digitalen Technologien bezeichnet, um die eigenen Wertschöpfungsprozesse unter Einsatz von digitalen Technologien neu- oder umzugestalten.“

Zerpflückt man diesen Satz in seine Einzelteile, bleibt wenig Substanz übrig. Was heißt denn zielgerichteter Einsatz? Was sind eigene Wertschöpfungsprozesse? Als Antipoden zitiert Janowitz den Kolumnisten Alain Veuve:

„Transformation impliziert einen Prozess, der einen Anfang und ein Ende hat. Unternehmen ‚machen sich fit‚ für die digitale Transformation. Veränderungen sind nicht nur von den Informationstechnologien getrieben, auch anderswo gibt es Fortschritt.“

Eingaben ohne Ziel

Wie kann überhaupt noch etwas zielgerichtet laufen, wenn die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt werden, dass keinerlei Identität mehr besteht. Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert. Ebenso entfällt die Möglichkeit, die Absicht einer Mitteilung zu erkennen und daraus Verdacht zu nähren oder sonstige Schlüsse zu ziehen, die zur Annahme oder Ablehnung der Kommunikation führen könnten. Die moderne Computertechnik greift die Autorität der so genannten Experten an. Fast jeder hat mittlerweile die Möglichkeit, die Aussagen von Wissenschaftlern, Journalisten, Unternehmern oder Politikern am eigenen Computer zu überprüfen.

Was bedeutet das für die Tautologien, die uns von Digitalen Darwinisten oder sonstigen Digitalen Evangelisten um die Ohren gehauen werden? Solche Internet-Erklärer, die die Konferenzbühnen beherrschen, stellen sich nicht einer kritischen Überprüfbarkeit ihrer Erzählungen. Wo bleibt die theoretische Fundierung im Diskurs über die Wirkungen der Digitalisierung für Wirtschaft, Gesellschaft und Staat? Die vorherrschenden Erzählungen in Netz-Debatten, die sich mit Digitaler Transformation, Content Marketing, Storytelling, Plattformen oder Industrie 4.0 beschäftigen, bestehen aus „ganzheitlicher“ Phrasendrescherei. Das gilt für die Beraterzunft und auch für die betriebswirtschaftlich ausgebildeten Stichwortgebern.

Selbstkonstruierter Unsinn

Der Wissenschaftstheoretiker Hans Albert würde die Keynote-Plaudereien als selbstkonstruierten Unsinn abtun. Belastbar seien nur Aussagen, die sich anhand einer Auseinandersetzung mit der uns umgebenden realen Welt überprüfen lassen. Es dominieren hypothesenlose Leerformeln, die ihre empirische Gehaltlosigkeit verschleiern. Man könnte sogar von Dogmen sprechen, da uns von vielen digitalen Vordenkern absolute Gewissheiten verkauft werden, ohne auch nur in Ansätzen empirische Einsichten zu vermitteln. Man fahndet nur nach Bestätigungen der eigenen Sichtweise und schließt von Einzelphänomenen auf die Allgemeinheit. Vermeintliche Wahrheiten wurden und werden von gläubigen Anhängern ohne Überprüfung der Fehlerhaftigkeit verteidigt. Wer nicht an sie glaubt, gilt als verstockt und rückwärtsgewandt. Eine kritische Urteilsfähigkeit kann so nicht entstehen. Selbst eine noch so oft wiederholte Beobachtung der regelmäßigen Verbindungen von Dingen oder Ereignissen rechtfertigt es nicht, daraus eine logisch zwingende Schlussfolgerung auf eine Gesetzmäßigkeit zu ziehen.
Die Überprüfbarkeit von Hypothesen

Jeder sollte daher immer kritische Widerlegungsversuche von Hypothesen anstellen, statt nur nach Bestätigungen des eigenen Gedankengebäudes zu suchen. Beim netzökonomischen Diskurs im Kölner Startplatz wurden Ideen verhandelt, wie man den dominierenden digitalen Plattformen des Silicon Valley Paroli bieten könnte. Zur Sprache kamen Open Source-Ideen, die zu einer Dezentralisierung des Netzes taugen. Kann man sich überhaupt aus der häufig zu beobachtenden Pareto-Verteilung befreien, die in den meisten Netzwerken vorherrscht? 20 Prozent derer, die Einkommen haben, zahlen 80 Prozent der Einkommenssteuer; 20 Prozent der Produkte eines Supermarktes machen 80 Prozent des Umsatzes aus; 20 Prozent der Wissenschaftler bekommen 80 Prozent der Zitate ab; 20 Prozent der Wissenschaftler schreiben 80 Prozent der wissenschaftlichen Texte. Selbst für Wikipedia gilt: 20 Prozent der Autoren liefern 80 Prozent der Beiträge. Wie kommt man aus diesen Machtstrukturen raus?

Raiffeisen für die Netzökonomie

Letztlich plädierte Netzökonomie Campus-Runde für einen stärkeren Schulterschluss, den vor allem kleine und mittelständische Unternehmen leisten müssen. Beispielsweise über die Raiffeisen-Idee, die im 19. Jahrhundert begründet wurde: Solche Genossenschaften seien Netzwerke, die helfen, wenn eine Branche im Wandel und im Wachsen ist, erläutert die Volkswirtin Theresia Theurl von der Uni Münster gegenüber der Wirtschaftswoche:

„Bist Du nicht groß oder besonders stark, musst du besonders schlau sein. Man kann sich Größe auch organisieren, ohne sich abhängig zu machen.“

Um das Problem der schlechten Bonität zu lösen, setzte der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen auf das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Man könnte es auch nach dem Motto der „Vier Musketiere“ formulieren: „Einer für alle, alle für einen“.

„Eine Gruppe Kreditbedürftiger schließt sich zusammen und stattet ihre Genossenschaften mit Haftungskapital aus. Für den Einzelnen ist die Einlage bezahlbar, doch unter dem Strich kommt ein ordentliches Kapitalpolster zusammen. Dadurch entsteht eine privat finanzierte Bank, die Geld an ihre Mitglieder verleihen kann, ohne bei Ausfällen einzelner Schuldner pleitezugehen“, erläutert die Wirtschaftswoche.

Gleiches gilt für die Digitalisierung der Wirtschaft, etwa bei Investitionen in 3D-Drucker, beim Einkauf, bei der Vermarktung über Plattformen und beim Wissenstransfer.

Bringt die Raiffeisen-Idee nun Impulse für die Netzökonomie in Deutschland? Das muss nun empirisch überprüft werden mit Rückgriffen auf die Wirtschaftsgeschichte und auf heutige Phänomene. Es steht eine Hypothese zur Disposition, die mit Daten aus dem 19. Jahrhundert und mit aktuellen Daten abgeklopft werden kann – ohne esoterische Quatschereien.

Mehr Offenheit in der Kommunikation wäre übrigens auch ein probates Mittel, Google und Co. Paroli zu bieten. Die ach so coolen und netzseligen kalifornischen Tech-Konzerne organisieren sich eher wie eine Sekte. Jeden Dienstag kann man das in dem Hangout-on-Air-Format „Google Partner Aktuell“ bewundern.

Da wird nicht nur die Begrüßung vom Teleprompter abgelesen, sondern auch die Fragen und Antworten ohne Beteiligung des Publikums. Übrig bleibt ein skriptgesteuertes und schlecht präsentiertes Werbe-Blabla mit dem Charme von Robotik-Prosa. An dieser Schwachstelle kann man ansetzen.

Am 2. Dezember könnten wir das in der nächsten Käsekuchen-Runde zur Next Economy Open vertiefen.

Vor dieser Debatte gibt es eine Session von Klaus Janowitz #Einmischen #NEO16X

Man hört, sieht und streamt sich.

Vom Niedergang des homo hierarchicus

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Banner-Kreation von Isabel Morales Rey

In vielen Unternehmen herrschen nach Auffassung des Organisationsexperten Guido Bosbach auf allen hierarchischen Ebenen Grund- und Glaubenssätze vor, die einen Wandel von innen heraus schlichtweg verhindern. Misstrauen und intransparente Geheimnistuerei statt Vertrauen und einer offenen Kommunikation auf Augenhöhe seien die Folgen. Ein Fundament auf dem kein kritischer und wichtiger digitaler Wandel erfolgreich gedeihen kann.

Die von Bosbach ins Spiel gebrachte Hilfestellung bezieht sich weniger auf Change-Lehrbuchwissen, als auf die Fähigkeit, Kommunikation im Netzwerk zu moderieren und ein Gefühl dafür zu haben, zu welchem Zeitpunkt welcher Impuls angebracht und richtig ist. Das passt aber nicht zur Denke jener Führungskräfte, die ihre Organisation nur auf Effizienz trimmen wollen.

Für eine erfolgreiche Veränderung kommt es nicht nur darauf an, Fakten zu vermitteln, erfolgskritisch ist es, Menschen emotional zu erreichen und für den Wandel zu begeistern. Betrachtet man allerdings die in der Praxis angewandten Methoden, so überwiegt die fachlich-sachliche Ansprache entlang der etablierten Hierarchiestrukturen.

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