Mit welcher Expertise wollen eigentlich Unternehmen in Deutschland die Angriffe der digitalen Plattform-Champions aus dem Silicon Valley kontern? Über Jahrzehnte rangierte die Informationstechnologie häufig unter der Verantwortung des Finanzvorstandes als Katalysator für die Kostensenkung. Letztlich landete man im Tal der Enttäuschungen und leeren Versprechungen. Folge: Auslagerung nach Indien – neudeutsch auch Offshore-Management genannt.
Spoiled Childs im Management
Geschäftsstrategisch laufen IT-Ausgaben immer noch unter dem Regime der Controller. Geniale Nerds sucht man in den Chefetagen vergeblich. Programmierer und Entwickler werden als exotische Hoodie-Trottel verspottet.
„Die Manager der Deutschland AG sind eher durch Anpassung und Duckmäusertum an die Spitze gekommen. Da wird verwaltet, gemänätscht eben – aber nicht erobert. Es wird kostenoptimiert und gedownsized, beste Beispiele die glücklose Commerzbank und Karstadt. Hier haben die Controller das Sagen. Wilde technologische Geschäftsideen sucht man bei diesen ‚Spoiled Childs’ vergeblich“, so Michael Zachrau im ichsagmal-Interview über den Nutzen von Growth Hacking – das erste Expertengespräch…
Storymaker, die uns die Bits und Bytes nicht mit dem Charme von Rechenschiebern vermitteln, findet man kaum in Deutschland. Es sind die seltenen Gastauftritte von den Tech-Bombenlegern aus dem Silicon Valley, die uns den Erzählstoff für die Next Economy bieten. Dazu zählt der Periscope-Mitgründer Kayvon Beykpour, dem in Hamburg die mediale Schickeria zu Füßen lag. TV-Journalist und Blogger Richard Gutjahr überlegte gar einen Moment im Livestreaming-Interview mit Beykpour, ob er nicht auf die Seite des Startup-Unternehmens wechseln sollte, da selbst im Journalismus die Impulse nicht mehr von Häusern wie Springer oder Burda kommen, sondern von den Programmierern in Kalifornien.
„Die Digitalisierung revolutioniert Wirtschaft und Gesellschaft in einem disruptiven Prozess, diese historische Transformationsphase schreibt die Wirtschaftsgeschichte industrialisierter Volkswirtschaften neu. Ob Deutschland Innovationsland bleibt oder Stagnationsland wird, hängt davon ab, ob wir unsere Innovationsführerschaft im digitalen Zeitalter behaupten. Das gelingt, wenn wir die Stärken der sozialen Marktwirtschaft einsetzen und drei Aufgaben angehen: schnelle Netze, Wettbewerb und Vernetzung.“
Wer so etwas liest, braucht kein Valium gegen Schlafstörungen. Storymaker, die uns die Bits und Bytes nicht mit dem Charme von Rechenschiebern vermitteln, findet man kaum in Deutschland. Es sind die seltenen Gastauftritte von den Tech-Bombenlegern aus dem Silicon Valley, die uns den Erzählstoff für die Next Economy bieten.
Periscope-Mitgründer Kayvon Beykpour im Interview mit Richard Gutjahr
„Die Piraten, bereits 2006 gegründet, erschienen 2009 das erste Mal als realistische Machtoption auf der Bildfläche. Aber nicht nur das. Auch die Aktivisten glaubten, die neu entdeckten Superkräfte in politischen Einfluss ummünzen zu können. Netzpolitik.org wurde zu einem der meistgelesenen Blogs und allen Parteien saß der Schock über die Netzmacht tief in den Knochen.“
Und er führt weiter aus:
„Die Netzsperren wurden, obwohl bereits beschlossen, aus Angst vor der mächtigen Netzlobby beerdigt. Leutheusser-Schnarrenberger achtete peinlich darauf, jedem CDUler, der mit der Vorratsdatenspeicherung um die Ecke kam, sofort auf die Patschen zu hauen. Netzpolitik war en vogue, alle Parteien gründeten Arbeitskreise und Lobby-Beiboote zum Thema, von der Regierung gab es eine eigene Enquetekommission. Die Piraten eilten von Wahlerfolg zu Wahlerfolg und Tatort-Autoren und andere Besitzstandswahrer schrieben offene Briefe aus Angst um ihre Urheberrechtspfründe. Schließlich stoppte die Netzszene noch ein internationales Handelsabkommen – wo geht’s hier zur Weltherrschaft?“
Man könnte noch die Entlarvung des Plagiators von und zu Guttenberg durch die Weisheit der vielen anfügen. Schließlich folgte der kollaborativen Fleißarbeit der Guttenplag-Rechercheure die Abdankung des blaublütigen Verteidigungsministers, obwohl sich die „Bild“-Zeitung wortmächtig als Befürworter des CSU-Politikers ins Zeug legte.
„Auch Shitstorms bestehen nur aus Dünnschiss“
Doch dann kam die Chose ins Stocken. Nichts ging mehr. Das Leistungsschutzrecht wurde in etwas abgeschwächter Variante beschlossen, die NSA-Spionage-Affäre verfing nicht in breiten Bevölkerungskreisen, die Piraten übten sich in personeller Selbstzerfleischung und gingen den Altparteien auf den Leim, statt ihre digitalpolitische Kompetenz zu beweisen. Michael Seemann spricht vom Ende einer Ära: „Netzpolitik ist in dieser, jetzigen Konzeption tot.“
Die Politik habe ihren Respekt vor dem Netz verloren. Viel Getöse, nichts dahinter:
„Auch Shitstorms bestehen nur aus Dünnschiss“, konstatiert Seemann.
Wie sich die politische Klasse aus dem Nerd-Schwitzkasten befreite
„brandeins“-Autor Thomas Ramge hatte vor Jahren prognostiziert, dass sich die etablierten Kräfte irgendwann aus dem „Schwitzkasten der Nerds“ befreien werden.
So sei ACTA in Deutschland an einem überschaubaren und gut organisierten Kreis von etwa 50 bis 100 Leuten gescheitert, die sich erfolgreich als netzpolitische Experten positioniert haben und die Öffentlichkeit dominieren. Ramge erwähnt den Blogger Jens Best, den Netzaktivisten Markus Beckedahl und die Sprecherin des Chaos Computer Clubs Constanze Kurz, die in rechtlichen Fragen rund um die Nutzung von Informationstechnik extrem bewandert sind und mit ihrem Expertenwissen eine echte Kommunikationsmacht aufgebaut haben.
So wiederhole sich auf politischer Ebene das alte Machtspiel der IT-Spezialisten. Wenige Kundige nehmen viele Unkundige in den Schwitzkasten. Ramge erkannte erste Abnutzungseffekte des Expertentums, da die Politik mit etwas Zeitverzögerung das nötige Fachwissen aufrüstet. Er zitiert einen „Branchenkenner“:
„Politiker haben keine Lust mehr, sich von Leuten ohne Mandat am digitalen Nasenring durch die Manege ziehen zu lassen. Der Trick wird nicht mehr lange funktionieren. Aber dafür müssen zumindest Fachpolitiker endlich selbst zu Experten werden.“
Rein taktisch haben die etablierten Kräfte im Netz zwar zugelegt, aber digitale Kompetenz sei nach wie vor Mangelware, bemerkt Vera Bunse. Ein Nekrolog auf die Netzpolitik ist also verfrüht. Nur sollte man endlich anfangen, das digitale Fachwissen der Netzbewegung mit realpolitischem Sachverstand zu kombinieren und neue Allianzen suchen.
Statt Nekrologe zu schreiben, sollten wir anfangen, die scheinheilige Digitale Agenda der Etablierten in Wirtschaft und Politik auseinander zu nehmen. Denn da gibt es einige Pappenheimer, die die Graswurzel-Vorarbeiten der idealistischen Nerds absaugen, ihre Klüngel-Hinterzimmer-Praktiken mit etwas digitalem Zuckerguss überstreichen, um im abgeschotteten Einweg-Kommunikationsmodus zur Tagesordnung überzugehen.
Das brachte beim Käsekuchen-Diskurs Start-up-Unternehmer Marcus Jacobs zum Ausdruck: Der Ursprung für viele regionale Initiativen wie die Kölner Internetwoche oder das IHK-Format „Digital Cologne“ sei durch ein Barcamp im Jahre 2009 im Rathaus der Domstadt entstanden.
In diesen Veranstaltungen opfern viele Enthusiasten ihre Freizeit und entwickeln Netzideen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die von den etablierten Kräften in der Vergangenheit belächelt wurden und jetzt adaptiert werden.
Wir sollten uns nicht von den Seilschaften in Politik und Wirtschaft verscheißern lassen. Sie haben vielleicht ihre Aktivitäten im Social Web erhöht, ihre digitalen Kompetenzen aber nicht.
Der IBM-Rechner “Watson” ist wohl ein ziemlich schlaues Kerlchen. Nicht erst seit seinem legendären Sieg über die Champions des Ratespiels Jeopardy. Er kann noch viel mehr. Watson ist ein Fakten-Checker:
Seine Software der Künstlichen Intelligenz ist bereits bei Behörden, Institutionen und Unternehmen in den USA im Einsatz. Das System unterstützt Onkologen bei der Behandlung von Krebspatienten, führt natürlichsprachliche Verkaufsberatungen bei einer Bekleidungsmarke und leitet aus der permanenten Analyse digitaler Medien ab, welche Themen sich als gesellschaftliches Mem abzeichnen und welche davon auf die Agenda der Wirtschaft gehoben werden sollten. In der Definition von Patrick Breitenbach spricht man von einem Internet-Mem erst dann, wenn sowohl der Variationsgrad als auch die Anzahl der Verbreitung dermaßen zunimmt, dass die Quantität der Verbreitung für die beobachtenden Internetnutzer als Trend wahrgenommen wird. Nachzulesen im Opus „New Media Culture: Mediale Phänomene der Netzkultur“, erschienen im Transcript Verlag.
Selbst die recht bescheidenen Hotline-Angebote würden sich verbessern –…
Je höher die Innovationsgeschwindigkeit ist, desto weniger altersanfällig sind frühere Lebensformen, so die überraschende Feststellung des inzwischen verstorbenen Philosophen Odo Marquard. Die moderne Wandlungsbeschleunigung würde selber in den Dienst der Langsamkeit treten. So sollte man sich beim modernen Dauerlauf Geschichte – je schneller sein Tempo wird – unaufgeregt überholen lassen und warten, bis der Weltlauf – von hinten überrundend – wieder bei einem vorbeikommt.
Gerade die neuesten Technologien benötigen die alten Fertigkeiten und Gewohnheiten. Unsere Arche Noah im Umgang mit der Überinformation sei eine alte Kunst: der Rückgriff aufs Mündliche. Das war schon zur Zeit des Buchdrucks so.
Renaissance von Schrift und Mündlichkeit
„Wir werden künftig mitnichten dauernd vorm Bildschirm sitzen, sondern – je mehr datenspendende Schirme flimmern – wir werden fern vom Bildschirm im kleinen oder großen Gesprächskreise mündlich jenes Wenige besprechend ermitteln, was von dieser flimmernden Datenflut wichtig und richtig ist“, schreibt Marquard in seinem überaus klugen Essay „Zukunft braucht Herkunft“.
So bleiben die schnellen Informationsmedien zähmbar und in der Reichweite der langsamen Menschen. Auch die neue Welt kommt ohne die alten Fähigkeiten nicht aus. Wie sich das bei der Mediennutzung auswirkt, hat Marshall McLuhan in seinem Modell der Tetrade skizziert:
„Es gibt vier Entwicklungsstufen. Jedes Medium löst irgendein anderes Medium ab. Das Auto löst die Kutsche als Transportmittel ab. Digitale Medien treten an die Stelle von gedruckten Medien. Beim Auto ist es aber gar keine Substitution der alten Fortbewegungsmittel, sondern man kann mit dem motorisierten Gefährt lauter Sachen machen, die mit dem Pferd nie möglich waren. Es entstehen neue Funktionen, die es vorher nicht gab“, so Jörg Blumtritt vom Slow Media-Institut.
Jedes neue Medium bringe neue Qualitäten hervor. In Blogs sei es zum Beispiel der persönliche und manchmal sehr langlebige Kontakt und Austausch zwischen Autor und Leser. Aber gleichzeitig werden bestimmte Dinge in den Hintergrund gedrängt. Im Falle von Twitter werde zum Beispiel die zeitliche Dimension der Nachrichtenproduktion und Nachrichtendistribution obsolet.
Im dritten Entwicklungsschritt passiere mit einem Medium irgendetwas, wenn man es auf die Spitze treibt. Bildschirmmedien würden beispielsweise der mündlichen Kommunikationskultur wieder Auftrieb verschaffen. Dann passiere ein Rückschlag und es folge der vierte und spannendste Entwicklungsschritt. Jedes Medium rücke verdrängte Effekte oder Eigenschaften wieder in den Vordergrund.
„Bei Twitter ist man gezwungen, sich kurz zu fassen. Das verlangt extrem viel Sprachfähigkeit. Damit die Tweets mit nur 140 Zeichen wahrgenommen werden, muss man einen aphoristischen Stil entwickeln. Das ist eine hohe Kunst“, stellt Blumtritt fest.
Die Vinyl-Revolution
Ähnliches kann man in der Industrieproduktion beobachten. So sorgt die Maker-Bewegung bei der Produktentwicklung für einen Wettbewerbsvorteil der Kulturen mit dem besten Innovationsmodell, nicht den niedrigsten Lohnkosten. Also eine Abkehr vom Mechanismus der Massenproduktion, die nur noch in Billiglohnländern stattfindet. Heute können Manufakturen mit kleiner Stückzahl punkten, die auf Co-Kreation setzen – also auf die gemeinschaftliche Entwicklung von Produkten. Beste Startbedingungen also für kleine Tüftler, die sich auf wissensbasierte und personalisierte Industrielösungen konzentrieren.
Alte Fähigkeiten sind auch bei der Wiedergeburt der Vinyl-Schallplatte gefragt. Mitten in der Moor-Niederung zwischen Bremen und Osnabrück kann sich die Firma Pallas vor Aufträgen kaum retten. Sie zählt zu den fünf verbliebenen Vinylfabriken in Europa und wird von Schallplatten-Fans als Champion der Branche angesehen. In Diepholz wurden nicht nur die alten Maschinen reaktiviert, sondern eine neue Vinylpressmaschine mit Touchscreen und Software entworfen, „die LPs mit nie gekannter Präzision herstellt“, schreibt Jost Kaiser in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Damit habe sich Pallas im hart umkämpften Ersatzteilmarkt unabhängiger gemacht. Für Bands wie Metallica bedeutet die Maschine größere Freiheit beim Rauf- und Runterfahren des Vinylausstoßes. Man sei jetzt quasi sein eigener Produzent. Vertraglich hat sich Metallica eigene Produktionskapazitäten in Diepholz gesichert. Auch Neil Young, Dire Straits, Led Zeppelin und die Foo Fighters zählen zur Pallas-Kundschaft, die ihre Werke in der Schallplatten-Königsklasse auf den Markt bringen – mit 180 Gramm schwerem Vinyl. In diesem Jahr knackt Pallas die Fünf-Millionen-Marke – CDs geraten dabei immer mehr in den Hintergrund.
Vor ein paar Jahren sah das noch ganz anders aus. Bei Mr. Music in Bonn dümpelten die Schallplatten im Untergeschoss herum. Jetzt stehen sie prominent gegenüber der Ladenkasse und verdrängen die Silberscheiben.
Die ungezähmten Ideen an der Peripherie sind der Rohstoff, aus dem morgen glänzende Markterfolge erwachsen. Die Kombination vorhandener Fähigkeiten mit neuen Technologien ist dabei eine Rezeptur, um wirtschaftlich zu überleben.
Große Organisationen funktionieren weiterhin wie Klöster: weltabgewandt und den eigenen Regeln folgend, schreibt der Publizist Mark Terkessidis in seinem neuen Opus „Kollaboration“, erschienen in der edition suhrkamp. Er meint dabei vor allem Behörden und Beamtentum. Ähnliches lässt sich in fast allen Machtblöcken beobachten: Konzerne, Kirchen, Gewerkschaften, Stiftungen, Verbände und sonstige Zirkel agieren als geschlossene Systeme. Das Feedback und das Belohnungsszenario – Aufstieg, Ruhm, Kohle – funktionieren primär intern.
Partizipationsrhetorik
Einmal etablierte Routinen werden aufrechterhalten unabhängig von den Veränderungen der äußeren Bedingungen. Patronage und Ochsentour sind wichtiger als echte Partizipation und Transparenz. Wer diese Statik in Frage stellt, wird als naiv, primitiv oder esoterisch abqualifiziert. Herrschaft in kleinen Zirkeln funktioniert nur durch das Ausschlussprinzip. Angebote zu einer Kultur des Teilens entspringen eher einer folgenlosen Rhetorik, um die traditionellen Hierarchien nicht zu gefährden.
„Wer Freiräume gewähren will, der muss Kontrolle abgeben, ansonsten wird Freiheit nur simuliert“, so Terkessidis.
Im folgenden Betrag wird zunächst dargestellt, warum ein dringender Handlungsbedarf besteht, nicht nur bei der Digitalen Transformation generell, sondern vor allem auch beim Wandel von Arbeit (neudeutsch: New Work) und Human Relations. Dem Personalmanagement kommt eine besonders schicksalshafte Rolle für die Zukunft des Standorts Deutschlands zu. Die „Personaler machen Möglichmacher möglich“, indem ihre Arbeit, die Mitarbeiter im Unternehmen und ihre Zusammenarbeit im Team unterstützt. Dabei sind die relevanten Erfolgsmuster hier wie generell nicht auf der Ebene der Technik, sondern der neuen kollaborativen Wertschöpfung zu finden. Die Schicksalsfrage ist, ob Personaler eine solche Rolle bei der Transformation aktiv suchen. Die Alternative ist eine zunehmende Bedeutungslosigkeit ihres Tuns.
Es EILT – HANDEL jetzt!
Wir müssen zusammen handeln und zwar jetzt. Die Zeit der Agenden ist vorbei, formulierte Tobias Kollmann auf der Interactive Cologne in Köln. Die Kollmannsche Forderung hinterfragt nicht nur unser bisheriges Tun im Rahmen der Digitalen Transformation im Allgemeinen, sondern auch im Rahmen der Transformation der Arbeit und des Personalmanagements im Speziellen.
Abb 1: Kollmans Forderung auf der Interactive Cologne: Handeln jetzt!
Meine Meinung dazu: Kollmann hat Recht – im Großen und Ganzen! Im Detail möchte ich einschränken: Natürlich haben Agenden, aber auch Manifeste und farbige Bücher auch in Zukunft und auch im Kontext „Future Of Work“ oder „Arbeiten 4.0″ weiterhin eine wichtige rahmenbildende Wirkung.
Ob es nun Impulse aus der Welt der Unternehmen, insbesondere der digitalen Treiber, sind wie z.B. das Manifest für ein neues Arbeiten aus dem Hause Microsoft oder Bill Gates frühe Vision „The New World of Work“ oder auch weiße und grüne Bücher aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, es macht Sinn, Visionen und Lösungen als Diskussions- und Handlungsbasis zu formulieren. Auch die Bertelsmann Stiftung plant daher richtigerweise, ihr vor kurzem durchgeführtes BarCamp Arbeiten 4.0 mit einem gemeinsam erstellten Papier der Teilnehmer zu krönen, und die Zukunftsinitiative Personal (ZiP), deren Sprecher ich zur Zeit bin, plant zumindest ein „Blaubuch“ zum Wandel von Arbeit und Personalmanagement (allein schon als farbliche Ergänzung zu den Farben Weiß und Grün des BMAS), das den Bogen von den Zukunftsvisionen über die Lösungskonzepte bis hin zu den Proof of Concepts spannen möchte. So möchte sich jeder manifestieren 😉
Das ist alles gut so, und es bleibt auch gut so, dass wir Handlungsbedarfe identifizieren und To Dos formulieren. Trotzdem ist die Kollmannsche Provokation für die Agenda-, Manifest- und Bücher-Schreiber eine produktive Provokation. Gegenüber den Anstrengungen in diese Richtungen muss jetzt auch konkretes, gemeinsames HANDELN zunehmend an Bedeutung gewinnen, wenn wir nicht am Schluss mit leeren Händen bzw. eben nur mit unseren Agenden und Manifesten ohne Konsequenzen dastehen wollen.
Denn unsere Zeit ist knapp. Konkreter formuliert: Wir haben nur noch 45 Minuten.
Deutschlands Abstieg 4.0
Deutschland droht im internationalen Wettbewerb durch mangelndes Handeln und Bürokratisierung der Zukunft generell zurückzufallen. Die Appelle von der Graswurzel an die Politik bleiben unerhört (was hatten wir in einer Repräsentations-Demokratie erwartet?!), so dass immer mehr wie Personaler-Papst und Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger als Alternative eine digitale APO fordern, um den Stillstand 4.0 zu überwinden.
Video 1: Die Graswurzel diskutiert „unerhört“
Dabei sollten die Graswurzel dringend gehört werden. Wenn aber wahrscheinlich solche Impulse weiterhin vom politischen Berlin nicht beachtet werden, sollte man bzw. in diesem Fall „Frau“ (Bundeskanzlerin) zumindest die Warnungen der heutigen „Eliten“ erhören (wobei sie auch schon selber warnt). Selbst Telekom-Chef Höttges sieht Deutschland bereits final als Verlierer der ersten Halbzeit: Das eigentliche Internet-Business ist heute fest in der Hand von Google, Facebook & Co ist.
Und auch für die zweite Halbzeit und damit für das Spiel insgesamt sieht es aber auch nicht sehr viel besser aus. In Deutschlands Prestigeprojekt Industrie 4.0 verliert Deutschland relativ gegenüber der Markt-Dynamik der Amerikaner und vielleicht bald auch gegenüber der noch größeren Effizienz der Chinesen (trotz aller Selbstbestätigungen) wie nicht nur Sattelberger immer wieder warnt. Auch der Autor dieses Beitrags („ich“) warnte schon: „Deutschland schafft sich ab 4.0„, um natürlich das Gegenteil zu erreichen (eine gemeinsame Anstrengung für einen gemeinsamen Erfolg 4.0).
Die schicksalsentscheidende Rolle der Personaler
Aber was hat denn nun Deutschlands digitale Zukunft mit dem Personalmanagement zu tun (und umgekehrt, HR mit dem Digitalen, wie es der Human Resources Manager in seiner Blogparade fragt)?
Beim notwendigen Wandel für Deutschlands Zukunft kommt den Personalern eine Schicksalsrolle zu, wie es Dr. Ralf Gräßler, Huffington-Post-Blogger, einer der wichtigen Vordenker des digitalen Wandels in der Personaler-Szene und Mitglied des Steering-Committees der ZiP, in seinem Eröffnungsstatement zum Competence Book Digital HR thematisiert hat.
Das Personalmanagement oder – neu-neu-deutsch – Human Relations (früher eher despektierlich Human Resources) muss sich zum einen – wie alle Teile der Wertschöpfung – selbst der digitalen Chance stellen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Die Liste der heutigen Herausforderungen für Personaler ist lang und ließe sich beliebig verlängern:
Demographischer Wandel,
Fachkräftemangel,
neue Werte der neuen Generationen,
Flexibilisierung der Arbeit und Arbeitszeit 4.0
…
Mit digitalen Technologien und einer kollaborativeren Wertschöpfung der Personaler nach innen und außen (z.B. als HR als Steering-Partner im Oleschen Sinne), könnten Personaler nicht nur diese ureigenen Aufgaben besser meistern. Die HR-Abteilungen könnten so vor allem auch zu Vorbildern im eigenen Unternehmen werden wie es auch Ex-Personaler Heiko Fischer im ersten Kompetenzgespräch HR forderte (s. Video 2).
Die digitale Transformation von HR selbst ist aber nur ein Aspekt. Zum anderen – und das ist das viel Schicksalsentscheidendere – wird das Personalmanagement selbst zu unserem Erfolgs-Katalysator oder aber auch zu unserem Erfolgs-Engpass für die Transformation in den Unternehmen. Heute denken z.B. zum Teil andere Player über die neue Arbeitswelt nach, obwohl dies doch eigentlich ein Mitgestaltungsbereich der Personaler sein sollte wie Gaby Hampel, Initiatoren unserer Zukunftsinitiative Personal, Ende 2014 in Ihrem Editorial zur Digitalisierung von HR forderte.
So diskutierten beispielsweise Experten der Logistik-Branche auf der LogiMAT 2012 im Rahmen einer Podiumsdiskussion in Kooperation mit dem BME und Interroll (co-initiiert von unserer Competence Site) über die Demographie als Herausforderung für die eigene Branche und über technologischen Lösungen nach, um diese Herausforderungen zu meistern. Ziel muss eine Arbeitswelt sein, die auch älteren oder behinderten Menschen eine echte Inklusion ermöglicht, wie es die Japaner von Omron schaffen.
Video 2: Logistiker diskutieren Demographie (ab 1 Minute 50 Sekunden)
Das Thema Arbeitswelt ist aber eigentlich ein Thema, das – wie auch die Transformation insgesamt – nicht ohne Personaler gestaltet werden sollte. Wer Wandel will, braucht einen Partner für die Mitarbeiter im Unternehmen, die ja diesen Wandel erst möglich machen. Aber sehen dass die Personaler auch so oder leben sie glücklich, aber bedeutungslos in ihrer Nische?
Gräßler formulierte auch auf der Huffington Post in seinem grundlegenden Beitrag zu digitalen Transformation des Personalmanagements drei kritische Fragen an die Personaler, die richtungsweisend und fordernd sind, s. dort! Die enorme Resonanz und die Tatsache, dass das Human Resources Manager als das „Verbandsmagazin der Personaler“ zwei Tage später dazu seine Blogparade zu diesem Thema startete, belegt die Relevanz der Verbindung oder Nicht-Verbindung von HR und Digital.
Personaler müssen Menschen und ihre Kooperation unterstützen!
Gräßler identifizierte in seinem Beitrag drei Kern-Handlungsfelder (neben der Arbeitswelt selbst) für die Personaler bei der digitalen Transformation:
„Lernen“ bzw. Personalentwicklung für die digitalisierte Welt (4.0)
„Führen“ in agileren Teams
„Kultur und Strukturen“, passend zur Netzwerk-Ökonomie
Das sind keine zufälligen Zukunftsaufgaben für das Personalmanagement und die Organisation der Zukunft:
Nur der Mitarbeiter, der „empowered“ wurde, kann sich kompetent und motiviert auf die fordernde Zukunft einlassen.
Dabei kann er im Kontext neuer Werte und fordernder Märkte nicht mehr in alten Command & Controll-Strukturen „geführt“ werden, sondern muss in umgekehrten Pyramiden unterstützt werden (bei gleichzeitig weiterhin relevanter Sinnstiftung auf Top-Ebene).
Das erfordert aber auch eine neue Wertperspektive und einen neuen Rahmen durch eine zukunftsfähige Kultur und Struktur, die den Menschen im Netzwerk befähigt.
Denn der Wandel entscheidet sich eben nicht auf dem Papier. Es sind tatkräftige, tatwillige und tatmutige Menschen, die den Wandel – oft genug vorbei an erstarrten Alt-Strukturen – erst möglich machen. Diese Möglichmacher gilt es durch ein neues Personalmanagement zu unterstützen (egal wie wir es altdeutsch, neudeutsch, neu-neu-deutsch nennen), und vor allem dann so zu vernetzen, dass ihr gemeinsames Handeln die gewünschten gemeinsamen Erfolge ermöglicht. HR wird dann zum Möglichmacher der Möglichmacher.
Video 3: Vordenker Fischer fordert Personaler als Vorbild und „Unternehmer“ (ab 8 Minuten, 3 Sekunden)
Was ist die Alternative? HR verwaltet – polemisch formuliert – nur Lohn und Gehalt (bis es outgesourct wird) und die Bereitstellung von Obst im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (bis es outgesourct wird) und verliert relativ an Bedeutung (bis es outgesourct wird). Dann werden die Personaler im schlimmsten Fall „zur aussterbenden Spezies“, wie es im ersten Kompetenzgespräch HR formuliert wurde. Aber schlimmer noch: Das Personalmanagement ist seiner Verantwortung für die Zukunft der Arbeit nicht gerecht geworden.
Genug mit dem Schwarzsehen: Ich glaube immer noch, dass das Personalmanagement noch erfolgreicher sein kann, indem es alte Aufgaben neue organisiert und neue Aufgaben für die Zukunftsfähigkeit mutig in Kooperation mit anderen in Angriff nimmt.
Drei Irrwege der Transformation der Arbeit vermeiden
Dabei dürfen wir uns jetzt aber auch nicht in Aktionismus ohne Bodenhaftung stürzen. Drei Irrwege bedrohen insbesondere unseren Transformationserfolg im Personalmanagement, aber auch in anderen Bereichen zu gefährden, und das auch bei beliebig gutem Willen:
Der Irrweg der Digital- und Technikfixierung
Der Irrweg der Blütenträume
Der Irrweg der Bodenlosigkeit
Zur digitalen Fixierung: Mein Tag beim BarCamp Arbeiten 4.0 in Berlin war gerettet, als Ellen Kuder von Microsoft klarstellte (es gab dort auch ganz viel andere tolle Unternehmen wie Accenture, Cap Gemini, …, s. Partner-Liste, und es gibt ganz tolle Wettbewerber von Microsoft wie SAP, Oracle, …), dass digitale Fähigkeiten für die Zukunft notwendig, aber nicht hinreichend seien und das Digitale kann kein Selbstzweck sein. Auch Professor Dueck, der Popstar der „alternativen Transformationsszene“ und vieler anderen Szenen (mit eigenen Groupies), kritisierte in Berlin seinen ehemaligen Arbeitgeber und Chef, weil man im Rahmen einer der fast schon historischen Digitalisierungs-Initiative zwar den Schulen umfassend Computer bereitstellte ohne aber begeisternde Anwendungen für die Schüller sicherzustellen. Nur da, wo das Digitale eine neue Wertschöpfung ermöglicht, ist das Digitale ein sinnvolles Mittel. Digital ist niemals Selbstzweck! Y punto – wie die Spanier formulieren, wenn sie das Normative besonders unterstreichen wollen! Es schadet der Transformation, wenn unseriöse „Transformatoren“ sich als digitale Elite positionieren, das Digitale als Selbstzweck propagieren und eigentlich nur ihre digitalen Tools und Beratungen verkaufen wollen, ohne wirklich den paradigmatischen Wandel verstanden zu haben oder katalysieren zu wollen. So wird auch das Competence Book „Digital HR“ vor allem deutlich machen, welche neue Wertschöpfung durch das Digitale im Personalmanagement möglich wird ohne das Digitale als Selsbtzweck zu fordern.
Zu den Blütenträumen: Im Kontext von Arbeiten 4.0 hat ein alter Mensch wie der Autor dieses Beitrags Flashbacks aus der New Economy-Zeit, wo kein zukunftsorientiertes Unternehmen auf ein Billard-Tisch und (nie benutzte) Wohlfühl-Zonen verzichtete. Nicht nur Professor Gunter Dueck stellte in Berlin in der Keynote fest, dass die Zukunft der Arbeit nicht so sein wird, wie man sich das in Kinderträumen jenseits aller ökonomischen Notwendigkeiten wünscht. Die neue Ökonomie bedeutet eben nicht Pippi-Langstrumpf-Ökonomie (Ich mach mir die Welt …). Auch der Vorstandsvorsitzende des VDMA Fachverbandes Software, Burkhard Röhrig, fordert seine Community auf, Arbeiten 4.0 so zu denken und zu gestalten, dass Mitarbeiter- und Unternehmensinteressen im Rahmen einer „humanen“ Industrie 4.0 harmonisiert werden. Das bedeutet eben nicht, dass man sich die Zukunft unbedingt schön denken kann. Am Ende des Tages ist es immer noch Formalzweck eines Unternehmens ökonomisch erfolgreich zu sein.
Video 4: Professor Dueck warnt auf dem Barcamp vor Blütenträume
Zur Bodenlosigkeit: Die Transformation kann aber nicht nur an der Pippi-Langstrumpf-Naivität, sondern auch an Überambitionen scheitern. Wie MES-Vordenker Professor Kletti auf der Huffington Post allgemein für die Industrie 4.0 formuliert hat, haben viele Unternehmen einfach noch nicht grundlegende Hausaufgaben erledigt, um sich direkt auf Hightech-Lösungen zu stürzen. Hier ist oft erst ein sukzessiver Reifungsprozess notwendig. Oder noch härter und zum Teil auf Englisch formuliert: Shit bleibt auch digitalisiert Shit, selbst, wenn man sie auf dem neuesten iphone anschaut. So fordert auch ZiP-Mitglied Thomas Eggert auf der Huffington Post richtigerweise beim Personalarbeit erst die Pflicht, dann die Kür.
Von anderen lernen: Konzerne und Mittelstand gehen voran!
„Grau, treuer Freund, ist alle Theorie“, sagt der Dichter und Zitategeber der Deutschen, dessen Metaphsysik 4.0 (das transzendental Eine und seine Emergenz und Immanzenz in uns Vielen) die Deutschen fast nie verstanden und dessen Botschaften sie oft trivialisiert haben (zuletzt in der Goethe-Biographie oder mit jedem Goethe-Zitat aus dem Mund von Thilo Sarrazin). „Where’s the beef“ fragen pragmatisch und bodenständig die Amerikaner.
Gibt es sie tatsächlich die erfolgreichen Praxisbeispiele und das „Beef“ zur Metaphysik 4.0? Es gibt sie und wer sich hinstellt und zukunftsfeindlich das eigene Beharrungsvermögen lobt, weil Zukunftsvisionen nicht kompatibel zum eigenen Konzern oder zum eigenen Mittelstand seien, ignoriert nur verantwortungslos diese Erfolgsbeispiele.
Was in der Praxis heute schon geht, konnte man auf dem Barcamp Arbeiten 4.0 lernen, natürlich u.a. von den Großen wie Microsoft und Telekom. Zu Microsoft-Philosophie empfehle ich Dr. Hübschen und seine Beiträge bei der Huffington Post und sein Buch „Out of Office„. Thomas Sattelberger und Stephan Grabmeier empfehle ich immer gerne, wenn es um Visionen aus dem Hause Telekom geht, auch wenn beide nicht mehr Mitarbeiter der Telekom sind. Dass die Telekom trotzdem dieses Jahr beim New Work Award gewonnen hat (und das als ehemaliger Staatsbetrieb mit Beamten-Tradition!) ist sicherlich auch auf sie als Pioniere zurückzuführen. Microsoft belegt übrigens nach Daimler den 3. Platz.
Video 5: Telekom als Sieger des New Work Awards, Microsoft auf Platz 3
Was mich aber besonders in Berlin beim Barcamp gefreut hat war, war, dass dort auchmittelständische Unternehmen ihre Erfolgsmodelle vorgestellt haben. Ostwestfalen-Lippe ist ja generell für mich eine Innovationshochburg und so präsentierte Jan Westerbakey, wie er Arbeiten 4.0 bei sich im Unternehmen Westaflex konkretisiert hat (s. Menschen lösen Probleme). Und dass der Moderator des Abschluss-Panels und Ex-Telekom-Vordenker Stephan Grabmeier jetzt zum New Work-Gewinner im Mittelstand, Haufe umantis geht, um dort Führung 4.0 zu begleiten, ist stimmig, und zeigt, dass es eben keine Restriktion der Unternehmensgröße gibt, wenn man den Wandel möchte. Mittelständische Unternehmen aus OWL und Baden und ihre Personalmanager können vorne dabei sein, wenn sie sich mutig für den Wandel entscheiden.
Video 6: Haufe umantis als Sieger bei KMUs und Start-Ups
Die Erfolgsmuster der neuen Ökonomie und der Transformation verstehen
Wie aber gelingt die breite Transformation, nicht nur bei den Themen „Arbeiten 4.0“ und „HR 4.0“, sondern bei allen Aspekten des Wandels? Nach den positiven Berliner Erfahrung ist meine Überzeugung mehr denn je: Die Transformation 4.0 von Gesellschaft, Branchen, Regionen und Unternehmen gelingt dann und nur dann wirklich optimal bzw. effizient, effektiv und vor allem nachhaltig, wenn wir selbst „4.0“ werden bzw. denken und handeln und auch die heutigen Strukturen, Prozesse und Plattformen für die Transformation in Richtung „4.0“ bzw. in Richtung der Prinzipien der „Next Economy“ ausgerichten. Alles andere wäre auch inkonsequent („Eat your own dogfood!“). Wir brauchen also auch offene, kollaborative Netzwerke und „Plattformen 4.0“ und offene, kollaborative Maßnahmen, z.B. weiterentwickelte BarCamps. Dass dies nicht alle so sehen, zeigte die Kölner BarCamp Kontroverse, die sich aus dem letzten Käsekuchen-Event von Gunnar Sohn entwickelt hat. Das wird in anderem Zusammenhang noch ein Thema sein.
Video 7: Wie transformieren? Die KölnerBarcCampKontroverse
Am Ende werden wir aber weitgehend unberührt von lokalen, aber sicherlich paradigmatisch beispielhaften Diskussionen (offen Gesellschaft versus geschlossene Zirkel, Nur Top-Down-Macher oder Mitnehmen aller, …) und auch jenseits der aktuellen digitalen Fixierung den Siegeszug der Erfolgsmuster der neuen Ökonomie und iherer neuen Wertschöpfung erleben. Die Transformation in Richtung kollaborativer, agiler Netzwerke ist unumkehrbar, weil die neue Komplexität der Märkte anders nicht zu handhaben sein wird.
Wir treffen uns auf jeden Fall im November in Köln zu diesem Thema bei dem großen finalen Transformations-Event des Jahres und entwickeln gemeinsam Lösungen in verschiedenen „Future-of“-Werkstätten. Wenn Sie dabei sein wollen, schicken Sie eine Mail an w.felser@netskill.de.
Danksagungen und Warnhinweise
Ein Werk ist niemals original und originell, sondern nur ein selbstreferentielles Weiterdenken und Weitervernetzen vieler gemeinsamer Gedanken. Für die Möglichkeit der kollaborativen Inspiration zu Arbeiten 4.0 danke ich stellvertretend insbesondere Ole Wintermann von der Bertelsmann Stiftung, Gunnar Sohn, Michael Zachrau und dem Team Netzökonomie danke ich für das gemeinsame Nachdenken zur Netzökonomie, Gaby Hampel, Ralf Gräßler, Wolfgang Witte und den vielen Experten der Zukunftsinitiative Personal danke ich für alles, was ich über Personalmanagement gelernt habe, und Personal-Papst Thomas Sattelberger danke ich last, but not least dafür, dass er nicht ruht, Deutschland zu warnen und zu mobilisieren. Dabei bin ich den genannten und vielen weiteren Personen und ihren Unternehmen oft vielfach verbunden, aber auch in der Regel ihren Wettbewerbern. Unsere Competence Site versucht einfach in jedem Thema die führenden Köpfe und Unternehmen zu mobilisieren, so dass eine Verbundenheit unvermeidbar ist. Jede Erwähnung hier erfolgte daher alleine aus persönlicher Wertschätzung.
Wenn wir nur auf die Technologie starren, kommen wir bei der Digitalisierung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft keinen Millimeter voran, so das Credo von Mister Unternehmer-Plattform Winfried Felser bei einer Diskussionsrunde von Interactive Cologne. Die Digitalisierung sei nur der Möglichmacher.
Wir brauchen Zugänge zu Wissen, Technologie, Diensten und Ideen in offenen und vernetzten Strukturen – ohne verkrustete Hierarchien, Seilschaften und Pseudoeliten. Was wir häufig in Deutschland erleben, ist das genaue Gegenteil. Die alten Eliten verbinden sich zur Absicherung ihrer Herrschaft bei…
Der Ursprung für viele regionale Initiativen wie die Kölner Internetwoche oder das IHK-Format „Digital Cologne“ sei durch ein Barcamp im Jahre 2009 im Rathaus der Domstadt entstanden. Das brachte beim Käsekuchen-Diskurs Start-up-Unternehmer Marcus Jacobs zum Ausdruck. In diesen Veranstaltungen opfern viele Enthusiasten ihre Freizeit und entwickeln Netzideen für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die von den etablierten Kräften in der Vergangenheit belächelt wurden und jetzt adaptiert werden.
Dann sollte man vor diesen Leistungen mehr Respekt zeigen! In den USA sind es auch nerdige Idealisten, die digitale Ideen hervorbringen. Sie werden allerdings von der Krawattenfraktion nicht überfahren, sondern als Ikonen der Netzökonomie verehrt und gefeiert.
IT-Gipfel-Unverbindlichkeiten statt Austin-Geist
Schräge und wilde Veranstaltungsformate wie die SXSW in Austin haben schon viele neue Netzplattformen, Apps und Geschäftsmodelle aus der Taufe gehoben. Auch das ist ein großer kultureller Unterschied zu teutonischen Apparatschick-Treffen wie dem Altherren-Stelldichein namens IT-Gipfel. Die Spitzenfunktionäre von Bitkom und Co. ergötzen sich an der Möglichkeit, einmal im Jahr der Kanzlerin am Rockzipfel zu hängen, um in schöner Regelmäßigkeit mit einer Suada von Unverbindlichkeiten abgespeist zu werden. „Spiegel“-Kolumnist Sascha Lobo hat sich der Mühe unterzogen, die digitalen Merkel-Worthülsen aufzulisten.
Anfang 2008 wollte die Bundesregierung Merkel das Problem fehlender Breitbandanschlüsse „binnen 12 Monaten lösen“. 2009 fabulierte Merkel: „Wir haben uns sehr ambitionierte Ziele gesteckt, nämlich den Zugang zum Breitband erst einmal in der schmalen Variante von einem Megabit …“ Außerdem versprach die Regierungschefin drei Viertel der Haushalte 50 Mbit pro Sekunde bis 2014, „und zwar mindestens“. Ein Jahr später bekräftigte sie beide Zahlen. „Geklappt hat es leider trotzdem nicht“, so Lobo.
Außendruck der Graswurzel-Bewegungen muss zunehmen
2011 wiederum galt ein Mbit pro Sekunde als ein „ehrgeiziges Ziel“.
„2012 machte Merkel einen Premiumscherz: ‚Wenn man jemandem mal Ruhe beibringen will, dann könnte man ihn in eine Ecke setzen, wo gerade mal ein Megabit pro Sekunde zur Verfügung steht.‘ Und doch erklärte noch 2013 die Bundesnetzagentur, ein Megabit pro Sekunde sei Breitband im Sinne der Bundesregierung. Kurz vor 2014 wurde bekannt, dass die im Koalitionsvertrag ursprünglich vorgesehene Summe von einer Milliarde Euro für den Breitbandausbau in letzter Minute gestrichen wurde“, erläutert Lobo.
Und schon die veranschlagte Summe war nicht der Rede wert.
Vor diesem Hintergrund müsse nach Meinung von Lobo auch das Versprechen von „50 Mbit/s bis 20XX“ betrachtet werden. Es ist lächerlich. Entsprechend muss der Außendruck von Graswurzel-Bewegungen wie den Barcamps wachsen. Nur dann gibt es nicht nur Schaufensterreden, sondern digitale Tipping Points, die der frühere IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck in Berlin forderte: beim Barcamp Arbeiten 4.0.